Tunesische Soldaten an der Grenze zu Libyen bei einer militärischen Übung (Bild vom 6. Februar, nahe dem Grenzübergang Ras Ajdir) © Fethi Belaid/AFP/Getty Images

Bei Kämpfen an der Grenze zwischen Tunesien und Libyen sind mindestens 45 Menschen getötet worden. Islamisten hätten am Montagmorgen versucht, einen Militärstützpunkt nahe der Grenzstadt Ben Guerdane zu stürmen. Dabei seien 28 Angreifer, zehn tunesische Soldaten und sieben Zivilisten getötet worden, teilten das tunesische Innenministerium und das Verteidigungsministerium mit.

Die Bewohner Ben Guerdanes wurden aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Von sieben Uhr abends bis fünf Uhr morgens gelte eine Ausgangssperre. Die tunesische Armee schickte Verstärkung nach Ben Guerdane und fahndete nach mehreren Angreifern, die offenbar entkamen. Das Militär habe die volle Kontrolle über die Stadt, hieß es.

Die Kämpfe ereigneten sich am frühen Morgen in der Innenstadt. Ein Augenzeuge sprach von zahlreichen Soldaten in dem Ort. Sie hätten gesagt, dass die Angreifer der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) angehörten.

Der staatlichen Nachrichtenagentur TAP zufolge wurde die bei Touristen populäre Insel Djerba abgeriegelt, die nur rund 100 Kilometer entfernt liegt. Darüber hinaus wurden zwei Grenzübergänge geschlossen.

In Tunesien wurden zuletzt mehrere schwere Anschläge verübt. Es gab Angriffe auf ein Hotel am Mittelmeer. Bei einem Überfall auf das Bardo-Museum in Tunis wurden im vergangenen Jahr mehr als 20 Touristen getötet; der IS bekannte sich zu dem Anschlag. Die Regierung macht sich Sorgen, dass die Unruhen in Libyen nach Tunesien überschwappen und hat die Maßnahmen zum Grenzschutz verschärft. So wurde unter anderem ein elektronisch überwachter Sandwall an der Grenze zu Libyen errichtet.

In Libyen breiten sich die IS-Miliz und andere islamistische Gruppen immer weiter aus. Seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht ein politisches Vakuum. Zwei von unterschiedlichen Rebellengruppen unterstützte Regierungen beanspruchen die Macht.

Vergangene Woche hatten tunesische Sicherheitskräfte nach einem stundenlangen Feuergefecht mit Angreifern fünf Menschen getötet. Schon vorher waren die Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft versetzt worden, weil es Informationen über Versuche zur "Infiltrierung" über die Grenze gebe. Am 19. Februar hatten die USA ein Ausbildungslager der Terrormiliz IS in der Nähe der libyschen Stadt Sabrata unweit der Grenze bombardiert.

Erst vergangene Woche hatte Tunesien erklärt, für eine Stationierung deutscher Militärausbilder zur Unterstützung im Kampf gegen die Extremisten offen zu sein. Es geht in erster Linie um die Ausbildung von Truppen aus dem Nachbarland, allerdings sollen auch tunesische Soldaten teilnehmen.

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