Neu gestalteter Innenhof der Klosteranlage Himmelspforten in Würzburg (Archiv) © Karl-Josef Hildenbrand/dpa/lby

Der ehemalige Missbrauchsbeauftragte des Bistums Würzburg steht in Verdacht, 1988 eine Frau sexuell missbraucht zu haben. Die 44-Jährige Tochter eines Diakons beschuldigt den Mann, sie im Kloster Himmelspforten zum Oralsex gezwungen zu haben.

Klaus Laubenthal, der heutige Missbrauchsbeauftragte des Bistums, hält den Vorwurf für plausibel. Er schrieb in einem Gutachten an den Würzburger Bischof, Friedhelm Hofmann, es gebe "mehrere Anhaltspunkte", dass die Frau "Opfer sexueller Gewalt wurde".

Das interne Kirchengerichtsverfahren kam dennoch zu der Ansicht, dass die behauptete Straftat nahezu auszuschließen sei. Aus internen Dokumenten zu dem Verfahren, die dem Spiegel vorliegen, geht hervor, dass der Generalvikar des Bistums Würzburg gemeinsam mit dem Beschuldigten entschied, die Staatsanwaltschaft nicht zu informieren.

Der mutmaßliche Täter hatte zudem Einblick in sonst unzugängliche Akten zu seinem eigenen Fall. Er hatte somit die Möglichkeit Einfluss auf seinen Prozess zu nehmen. Bischof Hofmann stärkte seinem beschuldigten Bruder den Rücken mit den Worten: "Ich vertraue Ihnen voll."