Der aus dem Kongo stammende Pfarrer der bayerischen Gemeinde Zorneding hat um Verständnis für seinen Rücktritt nach rassistischen Beschimpfungen und Morddrohungen gebeten. Er fühle sich nun erleichtert, sagte Olivier Ndjimbi-Tshiende. Am Sonntag hatte er der Gemeinde seinen Weggang angekündigt. Die Situation sei für ihn sehr belastend gewesen.

Der Priester hatte sich gegen rassistische Äußerungen der ehemaligen CSU-Ortsvorsitzenden Sylvia Boher positioniert. Deren Vize Johann Haindl hatte Ndjimbi-Tshiende als "Neger" beschimpft.

Ende März scheidet der 66-Jährige als Pfarrer der nahe München gelegenen Gemeinde aus und übernimmt eine neue Aufgabe in der Erzdiözese. In seiner Erklärung erinnerte er daran, dass er sich 2012 in der Gemeinde gut und freundlich aufgenommen gefühlt habe. Er wisse, dass viele seinen Weggang bedauerten, blicke nun aber nach vorne und freue sich auf den vor ihm liegenden Dienst an einem anderen Ort.

Das Erzbistum München und Freising hat seine Entscheidung bedauert. Sie trage diesen Schritt aber mit und stehe an seiner Seite, heißt es in einer Pressemitteilung. Auch Zornedings Bürgermeister Piet Mayr (CSU) sagte dem Bayerischen Rundfunk, er bedauere die Vorgänge zutiefst. Es tue ihm leid um die Person des Pfarrers. Er sei aber der Überzeugung, dass es eine ablehnende Grundstimmung im Ort nicht gebe.

Ndjimbi-Tshiende leitet die Pfarrei Sankt Martin seit vier Jahren. Zuvor war er Pfarradministrator in München-Milbertshofen und in Buch am Erlbach. Der 1979 zum Priester geweihte, promovierte und habilitierte Philosoph studierte Anfang der 1990er Jahre unter anderem in München und arbeitete als Kaplan. 2001 kehrte er in den Kongo zurück. Seit 2005 ist er wieder in der Erzdiözese als Priester tätig. 2008 wurde er zum Pfarrer ernannt und im folgenden Jahr in den Diözesanklerus aufgenommen. Inzwischen ist er deutscher Staatsbürger.

Im vergangenen Herbst gab es eine Kontroverse zwischen dem Seelsorger, seiner Gemeinde und der örtlichen CSU. Dabei ging es unter anderem um die Flüchtlingspolitik. Außerdem kam es zu rassistischen Äußerungen von Ortspolitikern über Ndjimbi-Tshiende. In der Folge kam es zu Rücktritten, nachdem sich auch die oberbayerische CSU-Bezirkschefin Ilse Aigner eingeschaltet hatte. Außerdem hatte Ndjimbi-Tshiende mehrere anonyme Morddrohungen erhalten.