Weltweit lassen Staaten derzeit jedes Jahr mehr Menschen hinrichten. In den 1.634 Hinrichtungen des vergangenen Jahres seien Vollstreckungen aus China noch gar nicht mitgezählt, schreibt Amnesty International in seinem neuen Jahresbericht. Die Organisation schätzt auch deshalb, dass weltweit tatsächlich mehr als doppelt so viele Menschen hingerichtet worden seien.

Für die internationalen Bemühungen um eine Abschaffung der Todesstrafe bedeutet dies einen schweren Rückschlag. Einige Jahre lang hofften Menschenrechtsaktivisten, dass bald keine Todesurteile mehr vollstreckt werden würden. Doch das scheint nach dem neuen Jahresbericht wieder unwahrscheinlich. Grund dafür ist der islamistische Terror, aber nicht nur.

Pakistan führte Todesstrafe nach Taliban-Angriff wieder ein

Pakistan hatte die Todesstrafe für sechs Jahre ausgesetzt. Seit dem Dezember 2014 wird sie wieder angewendet; damals hatten Taliban eine Schule in Peschawar angegriffen und 150 Menschen getötet. Die Henker des Landes töteten im vergangenen Jahr insgesamt 326 Menschen, unter ihnen islamistische Terroristen, aber auch andere Verurteilte. Damit liegt Pakistan auf Platz drei der Statistik von Amnesty.

Deutlich vor Pakistan liegt China; Amnesty nennt das Land den "Tophenker der Welt". Die chinesische Regierung veröffentlicht schon seit Jahren keine Details zu Hinrichtungen mehr, Amnesty schätzt jedoch, dass es sich um "Tausende" handelt. "Wir vermuten, dass China wieder mehr hinrichten ließ als der gesamte Rest der Welt", sagte Amnesty-Mitarbeiter Oliver Hendrich.

An zweiter Stelle liegt der Iran mit 977 Hinrichtungen, an vierter Stelle hinter Pakistan Saudi-Arabien. Dort wurden im vergangenen Jahr 158 Menschen exekutiert, so viele wie seit 1995 nicht mehr. In dem Land werden Menschen öffentlich enthauptet und ihre Leichen ausgestellt.

Auch G-7-Staaten lassen hinrichten

Auch in Mitgliedsstaaten der G-7-Gruppe werden weiterhin Menschen exekutiert. In den USA waren es im vergangenen Jahr 28, in Japan drei. Insgesamt vollstrecken 25 Staaten weltweit die Todesstrafe, darunter Indien, der Irak, Ägypten und Nordkorea.

In Deutschland wurde zuletzt im Juni 1981 ein Mensch hingerichtet. In der DDR wurde damals der Hauptmann der Staatssicherheit, Werner Teske, wegen Hochverrats getötet. Im Grundgesetz der Bundesrepublik von 1949 ist festgeschrieben, dass auf die Todesstrafe verzichtet wird. In Artikel 102 heißt es: "Die Todesstrafe ist abgeschafft".