Kämpfer der Al-Nusra-Front haben in Syrien offenbar ein Flugzeug der Regierungstruppen abgeschossen und den Piloten gefangen genommen. Aus russischen Sicherheitskreisen hieß es, dass eine Suchoi Su-22 der syrischen Armee abgeschossen worden sei. Deren Pilot sei anschließend von den Islamisten in ihr Hauptquartier gebracht worden, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Berichte können wegen der schwierigen Sicherheitslage nicht unabhängig geprüft werden.

Der Zwischenfall ereignete sich den Angaben zufolge nahe dem Ort Al-Eis in der Provinz Aleppo. In der vergangenen Woche hatten Kämpfer der Al-Nusra-Front die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad aus der Stadt vertrieben und diese eingenommen.

Die Al-Nusra-Front ist eine islamistische Gruppe, die 2012 gegründet und vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen als Terrororganisation eingestuft wurde. Sie ist der syrische Teil von Al-Kaida und kämpft dort gegen die Truppen von Baschar al-Assad sowie Teile der Freien Syrischen Armee und die kurdischen Volksverteidigungseinheiten. Auch aus diesem Grund behaupten vor allem Kurden, dass die Al-Nusra-Front auch von der Türkei unterstützt werde.

In Syrien gilt seit Ende Februar eine Waffenruhe. Sie war von der Regierung, dem Hohen Verhandlungskomitee der Regimegegner und etwa 100 Milizen unterzeichnet worden. Ausgenommen waren Angriffe auf die Al-Nusra-Front und die Terrormiliz "Islamischer Staat". Und diese sind zunehmend erfolgreich.

Am 27. März hatte Assads Armee die antike Stadt Palmyra zurückerobert. Die hatte 1980 den Status eines Unesco-Weltkulturerbes erhalten. Mehrere antike Gebäude und Skulpturen waren von den Islamisten zerstört worden. "Es sind die schwersten Verluste für den IS in einer einzigen Schlacht seit seiner Entstehung", bewertete die Syrische Beobachtungsstelle die Lage. Denn mit Palmyra verliere der IS "automatisch die große syrische Wüste". Die reiche bis zur irakischen Grenze.

Nach der Eroberung Palymras kündigte die Armee an, den Sitz der Islamisten in Rakka angreifen zu wollen. Die Terroristen sollten in die Zange genommen werden, um sie von Nachschub abzuschneiden, teilte das syrische Oberkommando mit. Im vergangenen Jahr hatte die Terrormiliz bereits große Gebiete verloren. Experten fürchten, dass der IS auch deshalb zunehmend Anschläge in Europa verüben könnte.