Das Landgericht Duisburg will keinen Strafprozess wegen des Loveparade-Unglücks vor fünf Jahren eröffnen. Wie das Gericht am Dienstag bestätigte, wurde die Anklage gegen zehn Beteiligte nicht zur Hauptverhandlung zugelassen. "Die Vorwürfe der Anklage können mit den vorgelegten Beweismitteln nicht bewiesen werden. Eine Verurteilung der Angeklagten ist deshalb nicht zu erwarten", teilte das Gericht mit. Die 5. Große Strafkammer unter Vorsitz des Richters Joachim Schwartz habe keinen hinreichenden Tatverdacht erkennen können.

Im Februar 2014 hatte die Staatsanwaltschaft Duisburg Anklage gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters erhoben. Ihnen wurden fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Seitdem hatte das Landgericht im sogenannten Zwischenverfahren aufwendig geprüft, ob eine Verurteilung im Hauptverfahren, der Gerichtsverhandlung, wahrscheinlich ist.

Das Gericht erließ nun einen sogenannten Nichteröffnungsbeschluss. Gegen ihn können die Staatsanwaltschaft Duisburg und Nebenkläger beim Oberlandesgericht Düsseldorf eine sogenannte sofortige Beschwerde einlegen. Wird diese abgelehnt, gibt es kein weiteres Rechtsmittel.

Probleme hätten die Richter vor allem mit einem Gutachten des britischen Risikoanalysten Keith Still gehabt, das die Staatsanwaltschaft der Anklage beigelegt hatte. Die Richter seien unzufrieden gewesen und hätten Still deshalb 75 Nachfragen geschickt, berichtet der WDR. Doch dessen Antworten hätten erneut Fragen offen gelassen.

Überlebende reagierten mit Unverständnis auf die Entscheidung des Gerichts. "Für die Angehörigen und Überlebenden ist es ein Schock, dass es keine rechtliche Aufarbeitung gegen Verantwortliche bei der Stadt für die Tragödie von Duisburg geben wird", zitiert Spiegel Online den Rechtsanwalt Andreas Schulz.

Während der Loveparade in Duisburg am 24. Juli 2010 starben an einer Engstelle im Gedränge 21 Menschen. Hunderte wurden verletzt.