Nach der Rückführung der ersten Migranten aus Griechenland in die Türkei stellen Flüchtlinge auf Lesbos nun offenbar massenhaft Asylanträge, um ihre Abschiebung hinauszuzögern. Das sagte die Chefin der für Migration zuständigen Abteilung der griechischen Polizei, Zacharoula Tsirigoti. Von nun an gelte es, Asylanträge zu bearbeiten, bevor weitere Migranten in die Türkei zurückgeschickt werden könnten.

Aus Kreisen der europäischen Grenzschutzagentur Frontex auf Lesbos hieß es, wegen der hohen Zahl der Anträge sei es nun umso wichtiger, dass zügig Asylexperten aus anderen europäischen Ländern nach Griechenland entsandt würden.

Derweil sind im Rahmen des Abkommens mit der Türkei erste Flüchtlinge aus der Türkei in Hannover angekommen. 16 Syrer trafen per Flugzeug aus Istanbul ein, wie ein Vertreter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge mitteilte. Sie sollen anschließend ins niedersächsische Friedland gebracht werden. Zudem wird in Hannover eine weitere Gruppe von 16 Syrern erwartet. 

Der Flüchtlingspakt sieht vor, alle seit dem 20. März in Griechenland gestrandeten Flüchtlinge, die dort kein Asyl beantragen, in die Türkei zurückzuschicken. Im Gegenzug will die EU für jeden abgeschobenen Syrer einen syrischen Flüchtling aus der Türkei aufnehmen. Seit dem Stichtag trafen etwa 5.000 auf den Ostägäis-Inseln ein. Im vergangenen Jahr waren rund 850.000 Menschen von der Türkei aus auf die nahen griechischen Inseln der Ägäis und so auf EU-Territorium übergesetzt.

Am Montagmorgen waren auf der Grundlage des Flüchtlingspakts der EU mit der Türkei die ersten 202 Menschen von den griechischen Inseln Lesbos und Chios zurück in die Türkei geschickt worden. Nach griechischen Angaben handelte es sich fast ausschließlich um Migranten aus Pakistan und nordafrikanischen Staaten, die keinen Anspruch auf Asyl hätten. Lediglich zwei Syrer seien darunter gewesen. Sie hätten sich freiwillig gemeldet, weil sie aus familiären Gründen zurück nach Syrien wollten. Mittlerweile legte ein erstes Schiff im Hafen des westtürkischen Küstenortes Dikili an. Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu bestätigte, dass es sich bei den meisten zurückgeschickten Flüchtlingen um Pakistaner gehandelt habe.