Mehrere Hundert Flüchtlinge sollen eine Überfahrt über das Mittelmeer nicht überlebt haben. Es habe sich eine Tragödie auf See ereignet, bei der offenbar mehrere hundert Menschen ums Leben gekommen seien, sagte Italiens Präsident Sergio Mattarella.

Bisher gibt es jedoch noch keine Bestätigung für das Unglück. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat sich bemüht, über seine Vertretungen in Ägypten, Italien und Griechenland Berichte über eine weitere Flüchtlingskatastrophe im  Mittelmeer zu verifizieren, aber zunächst keine Bestätigung erhalten.Wie der für Europa zuständige UNHCR-Sprecher William Spindler dem Tagesspiegel sagte, lägen der italienischen Küstenwache keine Kenntnisse über gekenterte Boote im Zusammenhang mit der jüngsten Havarie vor.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Rande des EU-Außenministertreffens in Luxemburg, nach seinen Informationen seien bei dem Versuch einer Überfahrt mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen. Das Boot habe offenbar in Ägypten abgelegt. 

Von den Insassen von vier Booten seien nur 29 gerettet worden, berichtete der arabische Dienst der BBC, den der italienische Sender RAI zitierte. In dem Boot waren demnach Flüchtlinge aus Somalia, Eritrea und Äthiopien.       

Der somalische Botschafter in Ägypten hatte zuvor laut dem arabischen Dienst der BBC gesagt, er befürchte, dass mehr als 400 Menschen ertrunken sind, hieß es. Das UN-Flüchtlingshilfswerk bestätigte den Vorfall ebenfalls, aber nicht die Zahl der Opfer. 

Vor genau einem Jahr hatte es ein ähnlich folgenreiches Unglück im Mittelmeer gegeben. Hunderte wurden vermisst, nachdem ein in Libyen abgelegtes Boot mit Hunderten Passagieren gekentert war, wenige Tage später starben weitere 700 Menschen im Mittelmeer. Auch damals konnten nur wenige gerettet werden. Im Oktober 2013 waren fast 400 Menschen vor der italienischen Insel Lampedusa ertrunken.

Die EU hatte ihre Rettungsaktivitäten im Mittelmeer 2015 verstärkt, Schiffe der EU-Mission Eunavfor Med bewahrten Tausende vor dem Ertrinken. Die Zahl der Opfer ging dadurch zurück.

In den vergangenen Monaten waren Flüchtlinge vor allem über den Landweg nach Europa gekommen. Seit der durch Zäune, Grenzkontrollen und internationale Abkommen mit der Türkei erschwert ist, weichen Fluchtwillige offenbar wieder auf die Route übers Mittelmeer aus. 

Italienische Rettungskräfte fanden schon am Sonntag auf einem im Mittelmeer vor der libyschen Küste in Seenot geratenen Boot sechs Leichen. 108 weitere Migranten seien gerettet und von einem Schiff aufgenommen worden, nachdem sie zuvor einen Notruf abgesetzt hatten, teilte die Organisation SOS Mediterranee mit. Die Migranten sollen nach Sizilien gebracht werden.