Eine zwölfjährige Palästinenserin ist nach mehr als zwei Monaten aus israelischer Haft entlassen worden. Sie sei die jüngste weibliche Gefangene in israelischer Haft gewesen, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Ein Sprecher der israelischen Gefängnisbehörde bestätigte die Freilassung.

Das Mädchen war Anfang Februar im Westjordanland nahe einer israelischen Siedlung mit einem Messer gefasst worden. Der Palästinenserin wurde vorgeworfen, einen Anschlag auf Siedler geplant zu haben. Sie wurde von einem Militärgericht wegen versuchten Mordes verurteilt. Später erklärte Israel sich jedoch zu einer vorzeitigen Entlassung bereit.

Seit einem halben Jahr ist die Zahl minderjähriger Palästinenser in israelischen Gefängnissen deutlich gestiegen. Ein Sprecher der Gefängnisbehörde bestätigte einen entsprechenden Bericht der Zeitung Haaretz.

Insgesamt seien im Februar 2016 mehr als 430 Minderjährige in israelischen Gefängnissen inhaftiert gewesen. Im September 2015 waren es noch 170.

Besonders die Zahl der unter 16-Jährigen habe sich erhöht. Sie sei von 27 im September auf 103 im Februar gestiegen und habe sich damit vervierfacht. Fünf davon seien sogar unter 14 Jahre alt. Menschenrechtler kritisieren diese Inhaftierung Minderjähriger.

Aus Sorge vor neuen Unruhen auf dem Tempelberg in Jerusalem verstärkte Israels Polizei die Präsenz auf der heiligen Stätte. Neun jüdische Besucher, drei von ihnen minderjährig, seien wegen "Regelverstößen" vom Tempelberg entfernt worden, teilte eine Sprecherin mit.

Ein Streit über die Besuchs- und Gebetsrechte auf dem Tempelberg gilt als einer der Auslöser für die neuen Gewaltausbrüche in der Region. Der Tempelberg mit der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom ist Muslimen und Juden heilig. Anders als Muslime dürfen Juden den Ort, der laut Überlieferung auf den Überresten eines jüdischen Tempels errichtet wurde, zwar besuchen, aber dort nicht beten.