So weit ist es also schon gekommen? Jetzt wollen sie uns nach der Debatte um einen Veggie Day und der tagelangen Staatsposse um ein Gedicht von Jan Böhmermann auch noch verbieten, mit nackten Frauen zu werben!

Als verlautbar wurde, dass Bundesjustizminister Heiko Maas ein Verbot sexistischer Werbung plant, war der Unmut groß. Von "Maaslosigkeit" war die Rede, von Spießertum und Purismus. Kritik an einem solchen Verbotsvorstoß ist selbstverständlich legitim. Es ist sinnvoll nachzufragen, wie notwendig juristische Reglementierungen sind. Aber die meisten Einwürfe waren nicht sachdienlich. Sie sprachen von Sex, wo Sexismus gemeint war, verwechselten Nacktheit mit Diskriminierung und wollten Werbung deckungsgleich mit freier Meinungsäußerung verstanden wissen. Offensichtlich herrscht bei einem Thema Klärungsbedarf, das selbst einen Bundesrichter dazu veranlasst, seine prinzenhaft schwülen Stewardessenfantasien zu offenbaren.

Nur wenn sich alle Beteiligten darüber im Klaren sind, um was für Inhalte es sich handelt, können sie auch bewertet werden. Zur Erinnerung: Es geht um Sexismus in kommerzieller Werbung und damit um die auf das Geschlecht bezogene Diskriminierung von Menschen innerhalb einer marktkonformen Produktinformation. Es soll weder Nacktheit verboten, noch die allgemeine Meinungsfreiheit eingeschränkt werden. Denn zum einen ist die Darstellung von Nacktheit, auch von sexualisierter Nacktheit, nicht zwingend diskriminierend. Zum anderen hat der Staat, wie Dagmar Rosenfeld zu Recht klarstellt, niemandem Vorschriften darüber zu machen, was er oder sie beim Anblick von nackten Brüsten zu denken hat. Er hat auch nicht festzulegen, wie Werbetreibende Produkte bewerben.

Alkohol darf nicht mit glücklichen Kinder beworben werden

Er kann und sollte jedoch regulieren, mit welchen Bildern und Slogans die Kaufentscheidung mündiger Verbraucher nicht beeinflusst werden darf. Genau das tut er bereits. Werbung darf Ihnen nicht erzählen, dass eine spezielle Burgerbraterei besser ist als eine andere. Sie darf Ihnen nicht vormachen, dass Zigaretten unbedenklich für Ihre Gesundheit sind. Sie darf Alkohol nicht mit dem strahlenden Lächeln eines Kindes bebildern. Und auf das Geschlecht bezogene Diskriminierung sollte sie mit Hinblick auf Artikel 3 des Grundgesetzes nach dem Vorschlag von Pinkstinks auch nicht vornehmen dürfen.