Durch eine Messerattacke in Grafing bei München sind ein Mann getötet und mehrere Menschen verletzt worden. Der Täter, ein 27-jähriger Deutscher, habe die Tat eingeräumt, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Er sei der Polizei in einem anderen Bundesland bereits vor einigen Tagen wegen des Verdachts auf Drogenkonsum aufgefallen und war psychisch auffällig, sagte der Minister.

Die Polizei prüft einen möglichen islamistischen Hintergrund, hat laut Herrmann aber bisher keine konkreten Hinweise. Der Mann hatte am Morgen am S-Bahnhof der östlich von München gelegenen Stadt vier Passanten mit einem Messer angegriffen und dabei Zeugenaussagen zufolge "Allahu Akbar" ("Allah ist groß") gerufen, sagte eine Sprecherin des Bayerischen Landeskriminalamts (LKA), das die Ermittlungen übernommen hat. "Der Täter machte Äußerungen bei der Tat, die auf eine politische Motivation schließen lassen", hieß es zu Beginn der Untersuchungen. Ein ARD-Reporter schrieb auf Twitter, ein Zeugin habe gesagt, der Mann habe "Ihr seid alle Ungläubige" gerufen.

Laut Staatsanwaltschaft stach der Mann gegen fünf Uhr morgens an dem Bahnhof wahllos um sich. Als Waffe nutzte er ein Messer mit einer zehn Zentimeter langen Klinge. Er attackierte zunächst einen 50 Jahre alten Mann, der in eine S-Bahn eingestiegen war. Dann stach der Täter auf drei weitere Männer im Alter von 58, 55 und 43 Jahren ein, zunächst auf einen am Bahnsteig, dann auf zwei Radfahrer auf dem Vorplatz. Sie trugen Verletzungen davon, eine Person davon so schwere, dass sie sich in Lebensgefahr befindet. Der in der S-Bahn angegriffene Mann erlag später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Er ist nach Angaben der Bürgermeisterin nicht aus Grafing.

Der Täter sei am Bahnhof überwältigt und festgenommen worden, hieß es von der Polizei. Laut LKA kommt er aus Hessen, sei in Deutschland geboren und hat keinen Migrationshintergrund. N24 berichtete aus Grafing, an der S-Bahn, in der der 50-Jährige angegriffen worden war, seien nahe einer Blutlache Abdrücke unbekleideter Füße zu sehen. Der Reporter mutmaßte, der Täter könnte nicht nur Islamist, sondern auch geistig verwirrt sein. Auch die ARD berichtete vom Ort des Angriffs, der Täter sei barfuß unterwegs gewesen. Der bayerischen Polizei war der Mann Behördenangaben zufolge bisher nicht bekannt. Um 15 Uhr wird die Polizei in einer Pressekonferenz den Stand der Ermittlungen bekannt geben.  

Der Bahnhof ist abgesperrt. Kriminaltechniker sicherten Spuren, insbesondere zahlreiche Fußabdrücke. Züge verkehren verspätet.  

Gewalttaten mit mutmaßlich islamistischem Hintergrund gab es in Deutschland bisher in Essen und in Hannover. Im Fall Hannover ermittelt die Bundesanwaltschaft, nachdem ein 16-jähriges Mädchen einen Polizisten mit einem Messer niedergestochen hatte, der sie kontrollieren wollte. Das Mädchen soll Kontakt zum "Islamischen Staat" gehabt haben. In Essen sind mehrere Jugendliche verdächtig, einen Sprengsatz an einem Gebetshaus der Sikh gezündet zu haben, wodurch mehrere Menschen verletzt wurden. Hier prüfen die Karlsruher Ermittler noch, ob ein Terrorverdacht vorliegt und sie den Fall übernehmen.