Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hatte vor dem Anschlag auf das Sikh-Gebetshaus in Essen Hinweise auf die Täter. Das berichten die Süddeutsche Zeitung und die Fernsehsender WDR und NDR. Den Berichten zufolge hatte die Mutter von einem der drei Tatverdächtigen die Polizisten in Duisburg gewarnt. Bei ihrem Sohn habe sie entsprechende Notizen gefunden. Sie habe Fotos davon gemacht und sei damit zur Polizei gegangen.

Aus den Notizen gehe hervor, dass die Jugendlichen eine Straftat geplant und auch über die "Bekämpfung von Ungläubigen" gesprochen hatten, berichten die Medien. Die Polizei habe daraufhin nach eigenen Angaben "gefahrenabwehrende polizeiliche Maßnahmen" getroffen. Die Süddeutsche Zeitung schreibt, die Notizen seien jedoch erst zehn Tage nach dem Anschlag endgültig ausgewertet worden. Das Blatt berichtet außerdem von einem Handyvideo, auf dem zu sehen sei, wie die Tatverdächtigen eine Probesprengung auf einem verlassenen Zechengelände in Gelsenkirchen durchführen.

Die Mutter hatte sich dem Bericht zufolge auch schon 2015 an die Polizei Duisburg gewandt und angegeben, ihr Sohn habe sich radikalisiert. Die Behörde nahm dem Tatverdächtigen daraufhin den Pass ab, um eine Ausreise nach Syrien zu verhindern.

Ein Sprecher der Polizei Duisburg war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Das Innenministerium werde sich von den zuständigen Behörden berichten lassen und wolle den Innenausschuss am 2. Juni ausführlich über den Sachverhalt informieren, sagte ein Sprecher.

Am Montag hatte die Polizei Gelsenkirchen eingeräumt, einem Hinweis auf einen der Täter nicht entschlossen genug nachgegangen zu sein. Bei dem Anschlag auf das Sikh-Gebetshaus Mitte April waren drei Menschen verletzt worden. Wenige Tage später nahm die Polizei zwei 16-Jährige mit Kontakten in die Islamistenszene fest. Sie sitzen in Untersuchungshaft. Anfang Mai kam ein dritter, 17 Jahre alter Jugendlicher in Haft.

Über das Motiv der Tat wurde bislang nichts bekannt, die Ermittler gehen aber von islamistisch motiviertem Terrorismus aus. Zwar verneinten die beiden nach Angaben des NRW-Innenministeriums einen religiösen Hintergrund der Tat und gaben als Motiv "Spaß am Böllerbauen" an. Einer der beiden soll sich jedoch in der Schule positiv über den "Islamischen Staat" geäußert haben.

Dieser aus Gelsenkirchen stammende Verdächtige soll demnach auch die Terroranschläge vom November in Paris befürwortet haben. Einer jüdischen Mitschülerin drohte er den Angaben des Ministeriums zufolge, ihr das Genick zu brechen. Der aus Essen stammende zweite Tatverdächtige sei bereits vor dem Anschlag wegen Körperverletzung und Einbruchsdiebstahls bekannt gewesen. Er soll unter anderem auf seinem Facebook-Profil dschihadistische Symbole verwendet haben.