Die Bundesregierung hat das Integrationsgesetz beschlossen. Flüchtlinge sollen künftig schon während ihres Asylverfahrens einfacher arbeiten können. Keine Verbesserungen schafft das neue Gesetz für Menschen, deren Asylantrag abgelehnt wurde, die aber einen Job in Aussicht haben. Sie müssen immer noch ausreisen, sollen sich dann in der Heimat um ein Arbeitsvisum für die Bundesrepublik bewerben. Die Geschichte von Nicola von Hollander zeigt, dass die bürokratischen Hürden immens sind. Sie versucht, einen Kosovaren bei sich anzustellen.

Im ersten Telefonat schwingt Hoffnung, auf beiden Seiten. Ich habe das Gefühl, jemanden gefunden zu haben, der wirklich anpacken will – und der auch vor unseren fast schon historischen Landmaschinen nicht zurückschreckt, mit denen wir sechs Hektar Land beackern und dafür Hilfe brauchen.

Wenn Bewerber vom Jobcenter normalerweise unsere Hakorette sehen – einen alten Einachser mit einer Art Fahrradlenker und Rasenmähermotor – kommt meist die Frage nach einem neuen Traktor. Und dann endet das Gespräch. Mit Beq Zeqiri fängt es damit erst an. Der Kosovare ist gelernter Automechaniker, voller Erfahrungen in einem Land, in dem die Mangelwirtschaft alte Maschinen mit Geschick und Phantasie am Leben hält. Schon am Telefon erklärt mir Zeqiri, wie ich die Hakorette wieder in Gang bringen kann.

Wir können uns gut unterhalten: Beq Zeqiri spricht Deutsch, weil er in den neunziger Jahren als Kriegsflüchtling aus dem ehemaligen Jugoslawien im Saarland lebte. Damals mit anerkanntem Asylantrag.

Zum ersten Mal begegnete er mir vergangenen Oktober, in der Flüchtlingsausgabe der ZEIT. "Warum darf ich nicht bleiben?" fragte er im Streitgespräch den CDU-Politiker Thomas Strobl. Damals droht Zeqiri die Abschiebung aus Deutschland.

Als ich seine Geschichte lese, denke ich: So einen suchen wir. Wenn sich jemand auf einen langen Weg macht, von dem er weiß, wie schwer er wird, lässt er sich von unseren – zugegebenermaßen ungewöhnlichen – Arbeitsbedingungen auch nicht mehr abschrecken. Wer sich vom Kosovo durchbeißt, so meine Idee, nimmt auch die Herausforderungen auf dem Grundstück meiner Mutter an: Unser Maschinenmuseum zu pflegen, Bäume zu fällen und Brennholz zu schlagen, Gräben mit dem Spaten auszuheben, Teiche zu entschlicken, Schafe zu versorgen oder im Handbetrieb Heu zu machen. Schon lange suchen wir über Inserate und Agenturen nach einem ausdauernden Alleskönner.

Zeqiri darf Berlin nicht verlassen

Diesen Job will ich Beq Zeqiri verschaffen. Darum geht es in unserem Telefonat gleich nach seinem Gespräch in der ZEIT. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen kann: Was einfach klingt, ist viel schwieriger als je vermutet.

Einige Wochen nach dem ersten Telefonat lernen wir uns persönlich kennen. Das fast einjährige Asylverfahren der Familie ist endgültig beendet, mit negativem Bescheid. Damit sind Beq Zeqiri, seine Frau Kadrije und ihre beiden Söhne nur noch geduldet.

Meine 80-jährige Mutter und ich fahren mehrmals nach Berlin, um die Zeqiris zu treffen: zum Kaffee am Hauptbahnhof, das nächste Mal bei Freunden. Dann beschließen wir: Die Familie soll zu uns nach Schleswig-Holstein kommen. Meine Mutter vertraut ihnen. Für das, was der Maschinenschlosser mit landwirtschaftlicher Erfahrung bei uns machen kann, bieten wir Beq Zeqiri einen Vollzeit-Arbeitsvertrag. Das Problem nur: Der Arbeitsplatz ist nicht in Berlin, wo Zeqiri bei der Ausländerbehörde registriert ist.

Ich melde mich in der regionalen Handelskammer. Die Beraterin ist zuständig für "Bildungs- und Arbeitsmarktintegration bleiberechtsungesicherter Flüchtlinge". Sie soll Geflüchtete auf dem deutschen Arbeitsmarkt unterbringen. Maschinenschlosser, Gärtner, Landwirte hat sie zu diesem Zeitpunkt nicht in ihrer Kartei. Menschen, mit denen sich meine Mutter unterhalten könnte, auch nicht.

Deshalb will sie sich gern um unseren "Fall Zeqiri" kümmern, muss aber Tage später zurückrudern: Ohne genehmigten Asylantrag und damit ohne Aufenthaltsgenehmigung dürfe Zeqiri gar nicht arbeiten, schon gar nicht Berlin verlassen. Die gleich lautende Antwort kommt aus der Agentur für Arbeit, bei der wir eine Teilzeitstelle ausgeschrieben haben. Das Jobcenter kündigt uns im Gegenzug viele Kandidaten aus der Umgebung an, aber die wenigsten melden sich. Von denen, die sich melden, lassen wiederum einige durchblicken, dass sie nur anrufen, weil sie es müssen.