Das Landgericht Zwickau schickt drei Männer für mehrere Jahre ins Gefängnis, weil sie Molotow-Cocktails auf eine Flüchtlingsunterkunft geworfen hatten. Der älteste Täter erhielt fünf Jahre wegen versuchten Mordes und versuchter schwerer Brandstiftung. Der 36-Jährige sei der Rädelsführer gewesen, hieß es. Ein 35-Jähriger soll viereinhalb Jahre ins Gefängnis, der jüngste Angeklagte (32) drei Jahre und neun Monate.

An ihrer ausländerfeindlichen Gesinnung besteht nach Ansicht des Gerichts kein Zweifel.

Die Männer hatten am 12. November 2015 drei Molotow-Cocktails gegen ein als Flüchtlingsheim genutztes Wohnhaus geworfen, in dem 39 Asylbewerber schliefen. Zwei Brandsätze trafen eine Scheibe, ein Brandsatz die Fassade. Die Fassade und ein Fenster verrußten. Eine Fensterscheibe wurde durch einen geworfenen Blumenkübel beschädigt. Die Polizei fasste bald nach der Tat mehrere alkoholisierte Tatverdächtige, darunter die jetzt verurteilten. Sie kamen in Untersuchungshaft. Ursprünglich ermittelte die Staatsanwaltschaft nur wegen versuchter schwerer Brandstiftung und Verstoß gegen das Waffengesetz, später kam versuchter Mord hinzu. 

Die Beschuldigten waren allesamt vorbestraft, aber nicht wegen staatsschutzrelevanter Delikte – also mit politischem Motiv. Zur Tatzeit waren sie arbeitslos. Begonnen hatte der Tatabend auf einer Party, im Zuge derer der jetzt 36-jährige Rädelsführer auf die Idee kam, Molotow-Cocktails zu bauen, die beiden anderen machten mit. Ein weiterer Beschuldigter hatte das Benzin gekauft, ohne wirklich zu wissen, wofür. Die Täter zogen zu Fuß zum Tatort, stark alkoholisiert. Sie hatten demnach allesamt rechtsextremistische Ansichten, sie standen der islamfeindlichen Bewegung Thügida nahe, wie Ermittler ZEIT ONLINE sagten. 

In den Vernehmungen hatten die Beschuldigten gesagt, sie hätten die Cocktails nicht geworfen, wenn sie gewusst hätten, dass in dem Gebäude Menschen leben. Sie hätten niemanden umbringen wollen. Die Ermittler hielten das für vorgeschoben, da von außen deutlich Möbel und andere Einrichtungsgegenstände sichtbar waren. In den Verhören räumten sie die Taten ein. 

In Crimmitschau hatte die Tat Aufsehen erregt. Nach Einschätzung der Ermittler war es die schwerste rechtsextremistische Tat der vergangenen 15 Jahre, obwohl es keine Verletzten gab. Die Stadt hatte ihre Flüchtlingsunterkünfte zu Silvester durch Zivilstreifen der Polizei schützen lassen.

2015 gab es nach Recherchen von ZEIT ONLINE und DIE ZEIT bundesweit insgesamt 222 Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte. Bisher wird in einem Fall wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt – das Verfahren wegen eines schweren Böllerangriffs in Freital bei Dresden hat die Bundesanwaltschaft übernommen. Bei den Recherchen wurde deutlich, dass nur in den wenigsten Fällen Täter ermittelt und angeklagt werden. Bis Jahresende gab es nur vier Urteile.