Die schweren Unwetter, die am Sonntagabend über Süddeutschland gezogen sind, haben in Baden-Württemberg mehrere Menschen das Leben gekostet. In Schwäbisch Gmünd starb ein Feuerwehrmann bei einem Rettungseinsatz. Auch der Mensch, den der Feuerwehrmann bergen wollte, konnte nur noch tot geborgen werden.

In Weißbach bei Heilbronn ertrank ein Mann im Keller eines Einfamilienhauses. Bei Schorndorf starb eine 13-Jährige, die unter einer Bahnbrücke Schutz vor dem Regen gesucht hatte. Sie wurde von einem Zug erfasst. Das Lagezentrum in Stuttgart bildete einen Krisenstab, Innenminister Thomas Strobl sprach den Angehörigen seine "aufrichtige Anteilnahme" aus.

So wie in der Ostalb hatten die Unwetter überall in Baden-Württemberg und Bayern die Pegel von Flüssen in kürzester Zeit extrem anschwellen lassen. Die Behörden sprechen von "immensen Schäden", die diese "Naturkatastrophe" ausgelöst hat. Tausende Einsatzkräfte von Feuerwehren, Rettungsdiensten und Polizei waren in der Nacht im Dauereinsatz. Dutzende Keller seien vollgelaufen und mussten ausgepumpt werden, das Wasser stand an einigen Stellen 1,70 Meter hoch. Einsatzkräfte hatten zudem mit Folgen von Schlammlawinen, Erdrutschen und weggespülten Bäumen zu kämpfen. Die Autobahn 7 war wegen großer Hagelkörner auf der Fahrbahn vier Stunden lang gesperrt.

Besonders betroffen von den Wassermassen war am Sonntagabend der kleine Ort Braunsbach im Norden Baden-Württembergs. Dort war nach heftigen Regenfällen ein Fluss über die Ufer getreten. Die reißenden Fluten strömten durch die 900-Einwohner-Gemeinde, wodurch ein Haus zerstört und mehrere erheblich beschädigt wurden. Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Rotes Kreuz suchten danach einsturzgefährdete Häuser ab, um die Menschen darin in Sicherheit zu bringen. Teilweise weigerten sich Bewohner jedoch, ihre Häuser zu verlassen. Strom, Wasser und Abwasser funktionierten in dem Ort nicht mehr. Der Ort im Kreis Schwäbisch Hall wurde großräumig abgesperrt.

Auf Videoclips und Fotos in sozialen Netzwerken war zu sehen, wie Autos vom Schlammwasser mitgerissen, übereinander getürmt und in Schaufenster von Geschäften geschleudert wurden. Bei einigen Häusern stand das Wasser augenscheinlich bis in Höhe der untersten Fenster. "Hier ist alles im Einsatz, was laufen kann", sagte ein Polizeisprecher in Heilbronn. "Es sieht düster aus, wirklich schlimm."

Besonders starke Regenfälle gab es auch in der bayerischen Region Ansbach und in Teilen des Landkreises Neustadt/Aisch. Auch wurden Straßen überflutet und Autos mitgerissen, auch hier gab es vollgelaufene Keller und einsturzgefährdete Häuser, etwa in mehreren Ortsteile von Flachslanden nördlich von Ansbach. Ähnlich sei die Lage im benachbarten Ort Obernzenn. Dort hatte der starke Regen den Fluss Zenn über die Ufer treten lassen und für Verwüstungen gesorgt. "Beide Gemeinden hat es schwer getroffen", sagte ein Leitstellenmitarbeiter. 

Laut Meteorologen fiel in Süddeutschland stellenweise binnen einer Stunde so viel Regen wie sonst binnen eines halben Monats. So fielen an der Messstation Kirchberg an der Jagst im Laufe der Nacht zum Montag innerhalb von sechs Stunden 87 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Im bayerischen Ort Hohenthann gingen innerhalb einer Stunde 67 Liter pro Quadratmeter nieder. Auch am Montagmorgen warnte die Hochwasserzentrale in Karlsruhe vor bedrohlichen Wasserständen an den östlichen Zuflüssen zu Neckar und Donau sowie im Rhein und an der Tauber. Mit Blick auf die Wettervorhersagen erwartet die Hochwasserzentrale, dass die Wasserstände weiter steigen.