Deutlich weniger Menschen haben im ersten Quartal 2016 Asyl in einem EU-Staat beantragt. Im Vergleich zum vierten Quartal 2015 gab es rund ein Drittel weniger Asylanträge, teilte die EU-Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg mit. Von Januar bis März beantragten demnach 287.000 Asylsuchende erstmals Schutz in Europa. Von September bis Dezember waren es noch 426.000 gewesen.

Allein 175.000 Erstanträge wurden in Deutschland gestellt. Dies entsprach 61 Prozent aller Asylanträge in der EU. Darauf folgten Italien mit 22.300 Asylanträgen, Frankreich mit 18.000 und Österreich mit 13.900. Bezogen auf die Einwohnerzahl lag Deutschland mit 2155 Anträgen je eine Million Einwohner ebenfalls vorn, Österreich kommt mit 1619 erstmaligen Bewerbern je eine Million Einwohner auf den zweiten Platz. Die wenigsten Erstanträge pro Million Einwohner wurden laut Eurostat in der Slowakei registriert.

Im Vergleich zum Schlussquartal 2015 ist die Zahl der Asylbewerber in Deutschland entgegen dem EU-Trend damit um acht Prozent gestiegen. Auch bei offenen Asylverfahren liegt Deutschland weiterhin vorn: Knapp 500.000 der eine Million noch nicht entschiedener Asylanträge werden derzeit bearbeitet. 

UN senkt Flüchtlingsprognose

Die meisten Asylsuchenden kommen aus Syrien. Sie standen für 36 Prozent aller Asylanträge in der EU. Allein in Deutschland stellten 88.500 Syrer einen Antrag. Es folgten Anträge von Menschen aus dem Irak und aus Afghanistan.

Erst kürzlich hatte die UN ihre Prognose für die Zahl der über Griechenland nach Europa kommenden Flüchtlinge nach unten korrigiert. Laut einem am Mittwoch veröffentlichten Report des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR wird nicht mehr wie ursprünglich erwartet mit "mehr als einer Million" Menschen gerechnet, sondern mit rund 248.000, die in diesem Jahr über die Griechenlandroute einreisen. Grund für die gekappte Prognose ist demnach die geschlossene Balkanroute und das EU-Abkommen mit der Türkei. 

8.000 Menschen harren auf den griechischen Inseln aus

Entsprechend dem Abkommen sollen alle Flüchtlinge und Migranten, die nach dem 20. März dieses Jahres aus der Türkei zu den griechischen Inseln übergesetzt haben, in die Türkei zurückgeschickt werden können. Zuvor können sie aber einen Asylantrag in Griechenland stellen. Dort kommen kaum noch Flüchtlinge aus der Türkei an. Während es im Februar täglich rund 2.000 Menschen waren, ist die Zahl der Neuankünfte inzwischen auf durchschnittlich knapp 30 Flüchtlinge am Tag gesunken. 

Voraussetzung für die Rückführung in die Türkei ist, dass das EU-Nachbarland die Bedingungen eines sicheren Drittstaates erfüllt. Zahlreiche Asylrichter in Griechenland teilen diese Einschätzung bisher allerdings nicht, berichtete die Athener Zeitung Kathimerini am Mittwoch. Vor allem Kranke oder Kinder und Frauen aus Syrien erhielten bisher Asyl in Griechenland. Insgesamt harren noch immer 8.000 Menschen auf den griechischen Inseln aus.