Im Prozess zu dem Messerangriff auf die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat die Bundesstaatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe für den mutmaßlichen Täter gefordert. Der 44-jährige Frank S. habe die Politikerin in Tötungsabsicht angegriffen, sagte der Oberstaatsanwalt am Bundesgerichtshof, Lars Otte, in seinem Plädoyer.

S. habe bei seiner Tat eine hohe kriminelle Energie an den Tag gelegt. Das zeige sich etwa daran, dass er seine Tat geplant und ein sehr langes Messer verwendet habe. Dieses Jagdmesser habe der Angreifer Reker "mit Wucht" in den Hals gerammt, argumentierte die Staatsanwaltschaft. Dass die Kölner Oberbürgermeisterin den Angriff überlebte, sei ein glücklicher Zufall.

Frank S. hatte während des Prozesses vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht den Angriff auf Reker gestanden. Er bestritt allerdings, bei dem Angriff eine Tötungsabsicht gehabt zu haben. Aus Sicht des Oberstaatsanwalts Otte dagegen hat sich S. mit der Tat eines heimtückischen Mordversuchs aus niedrigen Beweggründen schuldig gemacht.

S. hatte in dem Verfahren ausgesagt, dass er früher der rechten Szene angehört hatte. Er soll Reker aus fremdenfeindlichen Motiven angegriffen haben. Reker war bis zu ihrer Wahl zur Kölner Oberbürgermeisterin Sozialdezernentin der Domstadt und damit auch für die Betreuung und Unterbringung von Flüchtlingen zuständig.

Ein psychiatrischer Gutachter stufte den mutmaßlichen Attentäter als voll schuldfähig ein und bescheinigte ihm zugleich eine paranoide und narzisstische Persönlichkeitsstörung. Das Urteil soll voraussichtlich am 1. Juli verkündet werden.

Die Anklage wirft Frank S. vor, dass er am 17. Oktober Henriette Reker an einem Wahlkampfstand in Köln-Braunsfeld mit einem Messer angegriffen hatte. Er habe zudem auch andere Personen auf dem Wochenmarkt angegriffen, einige hätten Stichverletzungen erlitten. Reker musste nach dem Attentat in der Universitätsklinik von Köln notoperiert werden. S. ließ sich widerstandslos von der Polizei verhaften.