Die Kirche sollte sich nach Worten von Papst Franziskus bei Homosexuellen, Armen und anderen vernachlässigten Menschen entschuldigen. "Die Christen sollten dafür um Vergebung bitten, dass sie viele falsche Entscheidungen begleitet haben", sagte das katholische Kirchenoberhaupt auf dem Rückflug von seiner dreitägigen Armenienreise, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Dazu gehörten auch die Armen und die Ausgebeuteten. Anlass war die Frage, ob er mit dem deutschen Kardinal Reinhard Marx übereinstimme, der nach dem Massaker in einem bei der LTGB-Gemeinde beliebten Club in Orlando eine Entschuldigung gegenüber Homosexuellen gefordert hatte.  

Schwule und Lesben dürften nicht diskriminiert werden, sagte der Papst. Sie müssten respektiert und seelsorgerisch begleitet werden. "Wer sind wir zu urteilen?" fragte der Papst laut Ansa und benutzte dabei eine ähnliche Formulierung wie bei seiner ersten Auslandsreise nach Brasilien 2013. Damals sagte er: "Wenn jemand Gott mit gutem Willen sucht, wer bin ich, dass ich urteile?"  


Zudem müsse sich die Kirche auch bei Armen, ausgebeuteten Frauen und von Zwangsarbeit betroffenen Kindern entschuldigen – und auch dafür, "so viele Waffen gesegnet" zu haben. Zudem sei eine kirchliche Entschuldigung für das Versagen fällig, Familien nicht begleitet zu haben, die eine Scheidung oder andere Probleme durchmachten.

Bereits nach der Brasilienreise  vor drei Jahren hatte Papst Franziskus für einen offeneren Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen geworben. Das Problem sei nicht das Schwulsein, das Problem seien die Lobbys. "Die Schwulen-Lobby ist nicht in Ordnung, weil Lobbys nicht in Ordnung sind", sagte er damals. Homosexuelle Neigungen seien keine Sünde, homosexuelle Akte dagegen schon.