In Niedersachsen haben Unbekannte einen Geldtransporter überfallen und eine unbekannte Summe Geld erbeutet. Es besteht der Verdacht, dass es sich bei den Tätern um die ehemaligen Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF), Ernst-Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette handelt. Die Ermittler würden sich auf diese drei Personen konzentrieren, berichtet die Bild-Zeitung.

Bei dem Überfall in Cremlingen seien Fahrer und Beifahrer des gepanzerten Geldtransporters leicht verletzt worden, hieß es in der Mitteilung weiter. Die Polizei fahndete unter anderem mit einem Hubschrauber nach dem Trio. Ein Sprecher der Polizei in Wolfenbüttel sagte, der Tathergang sei anderen Überfällen, für die die drei verantwortlich gemacht werden, sehr ähnlich. Er bestätigte auch, dass ein möglicher Zusammenhang geprüft werde.


Der Fahrer des Geldtransporters war am Samstag in einem Gewerbegebiet in Cremlingen von zwei maskierten Tätern mit einer Panzerfaust und einem Sturmgewehr bedroht worden. Die Täter sollen ein Mann und eine Frau gewesen sein. Sie sollen zudem Schüsse in die Luft und gegen den Wagen abgegeben haben. Zwei Fahrzeuge hatten den Transporter zuvor eingekeilt, nachdem ein Beifahrer ausgestiegen war, um Tageseinnahmen aus einem Geschäft abzuholen. Ein dritter Täter soll dem Beifahrer in den Laden gefolgt sein und dort Geld gefordert, sowie in die Decke geschossen haben.

Anfang Juni hatten das Landeskriminalamt und die ermittelnde Staatsanwaltschaft Verden mitgeteilt, dass die untergetauchten Staub, Garweg und Klette seit 2011 mindestens acht Raubüberfälle verübt haben, sieben davon in Niedersachsen. Dabei erbeuteten sie bis zu 400.000 Euro.

Die Ermittler entdeckten, dass das Trio am 6. Juni 2015 versucht hat, mit zwei Kalaschnikows und einer Panzerfaust bewaffnet auf dem Parkplatz eines Real-Einkaufsmarkts in Stuhr in Niedersachsen einen Geldtransporter zu überfallen – die Waffen stammen vermutlich noch aus einem alten RAF-Depot. Am 28. Dezember 2015 sollen die drei überdies in Wolfsburg einen weiteren Geldtransporter überfallen haben. Beide Male flohen sie ohne Beute. Nach Recherchen von ZEIT ONLINE sind die drei Ex-RAF-Mitglieder auch für zwei ungeklärte Überfälle Mitte Mai 2016 in Hildesheim und Heiligabend 2012 verantwortlich.

Staub, Klette und Garweg gehörten zur sogenannten dritten Generation der RAF, die in den achtziger und neunziger Jahren Anschläge verübte. Diese Generation wird unter anderem für die Ermordung des Unternehmers Ernst Zimmermann, des Siemens-Managers Karl Heinz Beckurts und des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Alfred Herrhausen verantwortlich gemacht. Staub, Klette und Garweg tauchten Ende der 1980er Jahre in den Untergrund ab.

Die drei sollen gemeinsam mit Birgit Hogefeld und Wolfgang Grams 1993 an einem Sprengstoffanschlag auf das noch nicht geöffnete Gefängnis in Weiterstadt beteiligt gewesen sein. Daniela Klette wird zudem wegen eines versuchten Anschlags mit einer 45-Kilo-Autobombe auf die Computerzentrale der Deutschen Bank in Eschborn gesucht.