Die Bundesanwaltschaft hat drei Syrer festnehmen lassen, die im Auftrag der Terrormiliz IS einen Anschlag in Düsseldorf geplant haben sollen. Die mutmaßlichen islamistischen Terroristen wurden in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Brandenburg gefasst. Wie der Generalbundesanwalt mitteilte, planten sie ihre Tat gemeinsam mit einem vierten Syrer, der derzeit in französischer Untersuchungshaft sitzt.

Vorgesehen gewesen sei, dass sich zwei Selbstmordattentäter auf der Heinrich-Heine-Allee in die Luft sprengen. "Anschließend sollten weitere Attentäter möglichst viele Passanten mit Gewehren und weiteren Sprengsätzen töten", heißt es in der Mitteilung weiter. So waren auch die Terroristen in Paris vorgegangen.

Bundesanwaltschaft: Kein Zusammenhang zur Fußball-EM

Es lägen jedoch keine Hinweise vor, dass die Verdächtigen bereits konkret mit der Umsetzung ihrer Anschlagspläne begonnen hätten – auch, weil sich der vierte Beschuldigte Saleh A. im Februar in Paris bei französischen Ermittlern offenbart habe. Die Bundesanwaltschaft bemüht sich seitdem um die Auslieferung von Saleh A. nach Deutschland.

Die Süddeutsche Zeitung, der NDR und der WDR berichten, Saleh A. sei im April 2014 in die Hauptstadt des selbsternannten "Islamischen Staates", Rakka, gereist. Dort sei ihm befohlen worden, eine Schläferzelle von Terroristen zu gründen und ein Attentat in Düsseldorf vorzubereiten. Die Pläne stünden nicht im Zusammenhang mit der Fußball-EM in Frankreich, hieß es weiter.

Der Vorwurf der Bundesanwaltschaft gegen den 27-jährigen Hamza C., den 25-jährigen Mahood B. und den 31-jährigen Abd Arahman A. K. lautet auf Verabredung zu einem Verbrechen sowie Beteiligung oder Unterstützung an einer ausländischen terroristischen Vereinigung.

Um ihre Pläne zu verwirklichen, seien Saleh A. und Hamza C. mit Billigung der IS-Führung im Mai 2014 in die Türkei gereist. Von dort aus ging es nach Angaben der Bundesanwaltschaft im März und im Juli 2015 getrennt voneinander zunächst nach Griechenland und dann über die sogenannte Balkanroute weiter nach Deutschland.

Spätestens im Januar 2016 hätten Saleh A. und Hamza C. den Beschuldigten Mahood B. überzeugt, sich an dem Anschlag zu beteiligen. Abd Arahman A. K. sei bereits im Oktober 2014 im Auftrag der IS-Führung nach Deutschland gereist, er habe für den geplanten Anschlag die Sprengwesten herstellen sollen. Laut Bundesanwaltschaft baute er bereits für die syrische Terrororganisation Dschabhat al-Nusra Sprenggürtel und Granaten.

Experten wiesen auf den mutmaßlichen Zeitpunkt der Anschlagspläne hin. Anfang 2014 sei der IS noch nicht etabliert gewesen, der Westen hatte seinen Kampf gegen den IS noch nicht begonnen. Ihr "Kalifat" hatte die Terrormiliz erst im Sommer 2014 ausgerufen.

NRW überprüft Sicherheitsvorkehrungen für Großveranstaltungen

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger kündigte an, die Sicherheitsmaßnahmen für Großveranstaltungen zu überprüfen. Es müsse geklärt werden, "ob alles Erdenkliche getan worden ist, um solche Veranstaltungen so sicher wie nur möglich zu machen". In Düsseldorf wird im August mit einem Volksfest das 70-jährige Bestehen des Landes NRW gefeiert. Dazu wird eine Million Besucher erwartet.

Das Bundesinnenministerium wertete die Festnahmen als Beleg dafür, dass die Sicherheitsbehörden wachsam seien. Deutschland befinde sich ebenso wie andere europäische Staaten "im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus", sagte ein Ministeriumssprecher. Die Gefährdungslage in Deutschland sei unverändert.