Bei Überschwemmungen im niederbayrischen Landkreis Rottal-Inn sind vier Menschen getötet worden. Das teilten die Polizei und das Landratsamt Pfarrkirchen mit. Demnach entdeckten Taucher drei Leichen in einem überschwemmten Haus in Simbach am Inn. Eine weitere Tote wurde kurze Zeit später an einem Bach bei Julbach gefunden.

Zuvor waren einige Bewohner aus dem Haus in Simbach gerettet worden. Sie machten die Retter darauf aufmerksam, dass sich im Erdgeschoss des Gebäudes noch Menschen befinden könnten.

Ein Polizeisprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass noch einige Menschen vermisst werden. Nach ihnen könne nun, da das Wasser abfließe, gesucht werden. Der Einsatz soll auch in der Nacht fortgesetzt werden.

Katastrophenalarm nach Dauerregen

Der Landkreis hatte am Mittwoch den Katastrophenfall ausgerufen, nachdem Dauerregen zahlreiche Gewässer hatte übertreten lassen. Betroffen davon seien vor allem die Orte Simbach am Inn, Triftern und Tann, teilte das Landratsamt mit. Insgesamt etwa 9.000 Haushalte seien ohne Strom, bei Tausenden wird das den Einsatzkräften zufolge auch über die Nacht so bleiben. Mehrere Schulen bleiben den Behörden zufolge zunächst geschlossen, Abiturprüfungen sollen aber stattfinden.

In Triftern habe sich die Situation "dramatisch zugespitzt", sagte Bürgermeister Walter Czech (CSU). "Der ganze Ortskern wurde von dem Altbach überspült." In der kleinen Gemeinde etwa 50 Kilometer von Passau entfernt leben 5.200 Menschen. Die Schule in dem Ort war von Wasser umgeben. Etwa 250 Schulkinder saßen zwischenzeitlich in ihren Klassenzimmern fest. "Zum Glück liegt das Gebäude aber auf einem Berg", sagte der Bürgermeister. Zunächst wurde befürchtet, dass die Kinder die Nacht in der Turnhalle verbringen müssen. Am Abend waren die Straßen jedoch wieder frei und "die Kinder können wieder nach Hause", sagte der Einsatzleiter der örtlichen Wasserwacht, Hans Nothaft.

Eine Schulklasse aus Augsburg hatte es derweil in dem Ort Regen erwischt. Während einer Exkursion wurde sie vom Unwetter überrascht. Lehrer, Begleiter und 20 Kinder mussten sich auf eine Insel retten, wo sie später von Einsatzkräften geborgen wurden. Ein Mädchen erlitt einen Schock, ein weiteres eine Unterkühlung. Letztlich sei das glücklich ausgegangen, hieß es von der Polizei.

In Simbach am Inn direkt an der österreichischen Grenze brachten die Behörden Asylbewerber aus einer Turnhalle in Sicherheit. Auch die Polizeidienststelle musste wegen der Wassermassen evakuiert werden. Über den Dörfern der 10.000-Einwohner-Stadt kreisten Rettungshubschrauber. In nahe gelegenen österreichischen Orten stieg ebenfalls das Wasser.

Helfer versuchten Menschen zu retten, die von dem Wasser eingeschlossen sind, Zufahrtsstraßen und Brücken wurden überschwemmt. "Es herrscht Land unter. Die Wassermassen kamen sehr schnell", sagte ein Polizeisprecher. Inzwischen seien die Mitarbeiter der Wasserwacht in dem Gebiet angekommen und im Einsatz.

Auf der Bundesstraße 12 kletterten Lkw-Fahrer auf ihre Lastwagen aus Angst, von den Wassermassen weggeschwemmt zu werden, berichteten Helfer. Nahe dem österreichischen Braunau sei eine Brücke komplett überspült worden. Die Fluten hätten auch Autos mitgerissen. "Mit dieser Wucht hat wohl niemand gerechnet."

"Alles, was wir verfügbar haben, ist im Einsatz", teilte das Polizeipräsidium Niederbayern mit. Polizisten seien auch von Grenzübergängen nach Österreich abgezogen worden.

"Es hört nicht auf zu regnen"

Angesichts der anhaltenden Regenfälle und zahlreichen Meldungen über Schäden rief auch Passau den Katastrophenfall als Vorstufe zu einem möglichen Katastrophenalarm aus. Damit nimmt der Katastrophenschutzstab des Landkreises seine Arbeit auf, der den Einsatz von mehr als 40 Feuerwehren koordiniert. Die Bevölkerung ist aufgerufen, auf unnötige Autofahrten zu verzichten, nach Möglichkeit im Haus zu bleiben und Kellerräume zu meiden. Betroffen seien auch mehrere umliegende Gemeinden.

Auch in Sachsen wurden Straßen überspült. In einem Leipziger Krankenhaus musste die Feuerwehr Wasser aus der Notaufnahme abpumpen. Die Bahnstrecke zwischen Dresden und Prag, die am Dienstag überspült worden war, wurde hingegen wieder für den Verkehr freigegeben. Auch in Hannover liefen wegen Dauerregen zahlreiche Keller voll, die Feuerwehr zählte mehr als 100 Einsätze.

Das Wetter wird sich wohl vorerst nicht ändern. "Es hört nicht auf zu regnen", hieß es von den Behörden in Niederbayern. Mindestens bis Sonntag werde sich die Gewitterluft in Deutschland halten, sagte der Meteorologe Simon Trippler. Unwetter könnte es in der Mitte, im Osten und im Norden geben.