Die Türkei hat den Vorwurf zurückgewiesen, dass türkische Grenzschützer auf syrische Flüchtlinge geschossen haben sollen. Solche Berichte seine falsch, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums. Man ginge an der Grenze im Rahmen des Gesetzes gegen mutmaßliche Schmuggler und Terroristen vor.

Türkische Grenztruppen hätten in der Nacht zum Sonntag mindestens elf Flüchtlinge aus Syrien erschossen, hatte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete, Informanten vor Ort hätten die Informationen bestätigt. Demnach seien unter den Toten mindestens zwei Frauen und vier Kinder. Acht weitere Menschen seien verletzt worden, teilweise schwer.

Es soll sich größtenteils um die Mitglieder einer Familie handeln, die vor Gefechten um die nordsyrische Stadt Manbidsch in der Provinz Aleppo geflüchtet war. Die Gruppe habe versucht, vom Grenzort Chirbet al-Dschus im Nordwesten Syriens in die Türkei zu gelangen, berichtet die der syrischen Opposition nahestehende Beobachtungsstelle. Dort hätten türkische Soldaten das Feuer auf die Flüchtlinge eröffnet.

Die türkische Armee hatte diese Darstellung zurückgewiesen. Sie bestätigte, es habe in der Nacht einen Versuch gegeben, die Grenze illegal zu überqueren. "Es wurden aber keine Schüsse direkt auf Menschen abgefeuert." Es habe lediglich Warnschüsse in Richtung einer Gruppe von sieben oder acht Personen gegeben, die sich dann in die Wälder zurückgezogen hätten.

Doch auch die in der Syrischen Nationalen Koalition vereinigten Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad gaben die Zahl der Todesopfer mit elf an. Das von der Türkei unterstützte Bündnis mit Sitz in Istanbul sprach von einer fürchterlichen Tragödie. Die Tötung schutzloser Syrer widerspreche der Gastfreundschaft der türkischen Regierung und des türkischen Volkes.

Bericht prangert Waffengewalt gegen Flüchtlinge an

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte gibt an, insgesamt seien seit Anfang des Jahres fast 60 Zivilisten auf der Flucht aus Syrien von türkischen Grenzwächtern erschossen worden. Die Angaben der Menschenrechtsstelle können nicht von unabhängiger Seite überprüft werden. Jedoch warf auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch den türkischen Grenzsoldaten in einem im Mai vorgelegten Bericht vor, syrische Flüchtlinge mit tödlicher Waffengewalt an der Einreise in die Türkei zu hindern. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bestreitet das. Die türkische Armee beharrt darauf, lediglich auf bewaffnete Schmuggler, aber nicht auf Zivilisten zu schießen.

Die Türkei unterstützt syrische Kämpfer, die Assad stürzen wollen. Die Grenzen sind für Flüchtlinge mittlerweile faktisch geschlossen. Etwa 2,7 Millionen registrierte syrische Schutzsuchende halten sich bereits in der Türkei auf. Etwa 280.000 Flüchtlinge leben in Camps. In türkischen Grenzorten sind mehrfach Raketen aus syrischen Gebieten eingeschlagen, die von der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" kontrolliert werden. Dabei wurden in den vergangenen Monaten mindestens 20 Menschen getötet.