Bei dem Attentäter von Würzburg handelte es sich nach Einschätzung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) um einen Einzeltäter, der sich durch die Propaganda der Terrormiliz "Islamischer Staat" "angestachelt gefühlt" habe. Das Bekennervideo enthalte keine Hinweise auf eine Anordnung des IS, sagte er.

"Es ist vielleicht auch ein Fall, der im Grenzgebiet zwischen Amoklauf und Terror liegt", sagte de Maizière. Er sprach von einem "brutalen Akt wahlloser Gewalt". Nicht bei allen Opfern stehe fest, ob sie überleben würden.

Am Montagabend hatte ein junger Mann, mutmaßlich aus Afghanistan, in Würzburg mit einer Axt in einem Regionalzug Fahrgäste angegriffen. Auf seiner Flucht verletzte er zudem eine Passantin. Fünf Menschen wurden schwer verletzt. Die Ermittlungsbehörden gehen von einem islamistischen Hintergrund aus.

Nach Polizeiangaben wurde der Täter von Polizisten erschossen, als er die Beamten angriff. Der junge Mann hatte bei seiner Einreise nach Deutschland erklärt, aus Afghanistan zu stammen, es gibt aber auch Hinweise auf eine pakistanische Herkunft. De Maizière sagte, er sehe allerdings bisher keinen Anlass, an der afghanischen Nationalität des Attentäters zu zweifeln.

Gegen die Annahme, dass es sich um einen Pakistaner handele, spreche das mögliche Tatmotiv. Ermittler halten es für möglich, dass der Tod eines Freundes in Afghanistan Auslöser für die Tat war. Außerdem liege ein Antrag auf Zusammenführung der Familie vor, der sich auf Afghanistan und nicht auf Pakistan beziehe.

"Weiter mit Angriffen von Kleinstgruppen zu rechnen"

"Die Hintergründe der Tat müssen weiterhin aufgeklärt werden", sagte der Minister. Er sprach sich für mehr Videoüberwachung, mehr Polizei und besseren Schutz der Polizeibeamten aus. Er betonte, der Staat tue alles, um Anschläge zu verhindern. "Aber eine Garantie gibt es aber trotzdem leider nicht."

Deutschland liege im Fokus des internationalen Terrorismus. "Die Lage ist ernst", sagte er. Es müsse weiterhin mit Angriffen von Kleinstgruppen und radikalisierten Einzeltätern gerechnet werden.

Zugleich bat de Maizière die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer eindringlich, sich von dem Attentat von Würzburg nicht in ihrem Engagement erschüttern zu lassen. Ihre Arbeit sei für das Gemeinwesen in Deutschland unendlich wertvoll. Die Helfer hätten in den vergangenen Monaten Überragendes geleistet in Pflegefamilien, in Sammelunterkünften, beim Sport, bei der Nachhilfe in Schulen und bei Behördengängen. Viele von ihnen würden sich nun kritische und sorgenvolle Fragen stellen. "Wir brauchen Sie, und wir sind Ihnen dankbar für Ihr Engagement. Machen Sie bitte weiter so."

De Maizière forderte außerdem "die aktive Mitarbeit der hier lebenden Muslime, auch der hier arbeitenden Moscheegemeinden". Sie müssten einen Beitrag leisten zur Integration und Prävention und zur Früherkennung von Radikalisierungsprozessen, verlangte der CDU-Politiker.