Karte: Anschlag in Nizza

Übersichtskarte des Anschlags in Nizza

Was wir sicher wissen

  • Über den Tatverlauf:
  • Am Abend des 14. Juli gegen 22.45 Uhr überfuhr ein weißer Lastwagen viele Menschen, die sich in Nizza an der Uferstraße Promenade des Anglais versammelt hatten. Die Straße war für die Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag gesperrt worden. Der Täter tötete mindestens 84 Menschen, darunter zehn Kinder und Jugendliche, und verletzte mehr als 200 weitere Personen.  
  • Der 19 Tonnen schwere Lkw fuhr rund zwei Kilometer zwischen den Hausnummern 11 und 147 durch die Menge und riss viele Menschen mit sich. Im Wagen saß nur ein Mann. Der Täter habe bewusst möglichst viele Menschen überfahren, sagte der französische Generalstaatsanwalt Francois Molins. Er habe während der Fahrt mehrfach auf Polizisten geschossen. Die Beamten erwiderten das Feuer, konnten den Wagen jedoch nicht sofort stoppen. Er sei nach den ersten Schüssen noch etwa 300 Meter weitergefahren. Dann hätten Polizisten abermals geschossen und den Täter anschließend tot in der Fahrerkabine vorgefunden.
  • Die Beamten fanden in dem Wagen außerdem eine automatische Pistole vom Kaliber 7.65, ein Magazin mit 75 Patronen und eine weitere automatische Pistole, dazu zwei Sturmgewehre und eine Handgranate. Gefunden wurden auch ein Handy, ein Führerschein und eine Bankkarte. Sonst war der Lastwagen nur mit wenigen Paletten und einem Fahrrad beladen.
  • Der Täter hatte den Lastwagen am 11. Juli im Osten Nizzas gemietet und ihn im Stadtzentrum geparkt. Am Donnerstagabend sei er mit dem Fahrrad zu dem Lkw gefahren. Um 22.32 Uhr habe er den Wagen gestartet und sei auf die Uferpromenade gefahren.
  • Über den Täter:
  • Bei dem Täter handelt es sich um Mohamed Lahouaiej Bouhlel. Er wurde am 3. Januar 1985 geboren, war tunesischer Staatsbürger und lebte als Lieferwagenfahrer in einem nördlichen Stadtteil von Nizza. Identifiziert wurde er anhand der vorgefundenen Papiere und seiner Fingerabdrücke.
  • Lahouaiej Bouhlel war verheiratet und Familienvater. Er hatte drei Kinder. Seine Frau, die getrennt von ihm lebt, wurde festgenommen und verhört.
  • Der Täter war der Polizei wegen verschiedener Gewalt-, Diebstahls- und Drogendelikte aus den Jahren 2010 und 2016 bekannt. Am 24. März war er wegen Bedrohung, Gewalt und Sachbeschädigung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Es ging dabei um einen Streit nach einem Verkehrsunfall, bei dem Lahouaiej Bouhlel eine Holzpalette auf seinen Kontrahenten geworfen hatte.
  • Die französischen Geheimdienste kannten Lahouaiej Bouhlel nicht. Er war in keiner Gefährderkartei eingetragen. Es gab auch keine Anzeichen einer Radikalisierung, die auf ihn hätten aufmerksam machen müssen.
  • Die Polizei hat am Freitagvormittag die Wohnung des Täters durchsucht. Sie überprüft, ob Lahouaiej Bouhlel Komplizen hatte oder Beziehungen zu terroristischen Gruppen pflegte. Bislang gibt es dafür keinen Beleg, ein Bekennerschreiben liegt nicht vor. "Die Art des Vorgehens entspricht aber weitestgehend den Mordaufrufen terroristischer Organisationen in Zeitschriften und Videos", sagte Generalstaatsanwalt Molins. Der Anschlag passt zu zwei expliziten Aufforderungen des IS an seine Anhänger aus den vergangenen Monaten: Sie sollen Frankreich und die Franzosen angreifen; sie sollen Menschen mit Lkws oder Autos attackieren. Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sagte, der IS habe die Tat mit seinen Appellen womöglich inspiriert.
  • Amaq, eine der Terrorgruppe "Islamischer Staat" nahestehende, dschihadistische Propagandastelle, meldete am Samstagvormittag, dass eine "Sicherheitsquelle" gesagt habe, der Attentäter von Nizza sei ein Kämpfer des IS. Er habe mit seinem Anschlag entsprechende Aufrufe des IS beantwortet, gegen die Anti-IS-Allianz vorzugehen. Das ist kein offizielles Bekennerschreiben. In ähnlicher Weise hatte der IS auch auf den Anschlag von Orlando reagiert. Die sinnvollste Lesart eines solchen Kommuniqués ist, dass sich der IS den Anschlag von Nizza zu eigen macht, selbst aber über kein Täterwissen verfügt.

Was wir nicht sicher wissen

  • Über den Tathergang:
  • Der weiße Lastwagen bog offenbar auf der Höhe des Kinderkrankenhauses auf die Uferstraße Promenade des Anglais ein. Schon kurz danach soll er eine Frau und einen Mann überfahren haben, berichtet die New York Times. Auf Höhe eines Universitätsgebäudes sollen weitere Menschen überfahren worden sein. Dann fuhr er in Höhe eines Strandrestaurants in eine Menschengruppe. Etwas später filmte ein Journalist, wie der Lastwagen auf eine Menschengruppe zufuhr. Kurz darauf sind Schüsse zu hören. Ein Motorradfahrer fuhr an den Lkw heran und versuchte vergeblich, die Fahrertür zu öffnen. Der Täter soll Zickzack gefahren sein, berichten Augenzeugen, um möglichst viel Schaden anzurichten und ein Ausweichen zu erschweren.
  • Ein örtlicher Abgeordneter des französischen Parlaments berichtet, dass ein Mann auf den durch die Menge fahrenden Lastwagen aufgesprungen sei, um den Fahrer zu stoppen. Der Täter versuchte offenbar, auf den Mann zu schießen und feuerte auch auf Polizisten, ohne jemanden zu treffen.
  • Unklar ist, warum der Täter trotz Absperrungen mit dem Lastwagen auf die Uferpromenade fahren konnte. Dazu gibt es bisher zwei mögliche Erklärungen: Der Fahrer könnte Stoppsignale der Polizei ignoriert haben, so berichtet es Radio RMC. Oder er hat dem Wachhabenden erklärt, er liefere Eis für die Festlichkeiten an und durfte deshalb passieren wie France24 berichtet.
Karte - So lief der Anschlag in Nizza ab
  • Über den Täter:
  • War der Attentäter von Nizza ein IS-Mitglied? Diese Frage steht im Raum, seit die Dschihadistenmiliz den Anschlag für sich beansprucht hat. Einen Beleg dafür gibt es allerdings nicht. Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve sagte in Paris, dass die Regierung keinen Beweis für eine IS-Mitgliedschaft des Tunesiers habe. Sie gehe aber davon aus, dass sich der Täter "sehr schnell radikalisiert" habe. Die polizeilichen Ermittlungen scheinen ebenfalls Hinweise auf ein "jüngstes Abgleiten in Richtung radikaler Islam" zu ergeben, wie die Nachrichtenagentur AFP am Samstag meldetet.
  • Der Vater Bouhlels, Mohamed Mondher Lahouaiej Bouhlel, erzählte AFP, sein Sohn habe unter Depressionen gelitten. Er habe von 2002 bis 2004 Probleme gehabt, die zu einem Nervenzusammenbruch geführt hätten. Er sei dann wütend geworden, habe geschrien und Sachen kaputt gemacht. Ein Arzt habe ihm Medikamente gegen Depressionen verschrieben.
  • Mohamed Lahouaiej Bouhlel sei nicht besonders religiös gewesen und habe den Ramadan nur nachlässig eingehalten, berichten der Fernsehsender BFMTV und AFP. "Er hat nicht gebetet, er hat nicht gefastet, er hat Alkohol und sogar Drogen genommen", sagte der Vater.
  • Reuters und BBC Arabic berichten übereinstimmend, Lahouaiej Bouhlel stamme aus der nordtunesischen Kleinstadt M'saken nahe Sousse. Den tunesischen Behörden sei er nicht wegen islamistischer Ansichten aufgefallen.
  • Die Polizei hat am Samstag vier Männer zur Vernehmung  festgenommen. Ob sie in irgendeiner Art an dem Anschlag beteiligt waren oder davon wussten, ist aber unklar.

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