Bei einer Demonstration gegen Polizeigewalt haben vier Angreifer das Feuer auf Polizisten eröffnet. Dabei wurden fünf Beamte getötet und sieben teils lebensbedrohlich verletzt. Auch zwei Demonstranten wurde verletzt. Nach Angaben des örtlichen Polizeichefs David Brown hatten zunächst zwei Scharfschützen von "erhöhten Positionen" aus auf elf Polizisten geschossen. Es folgten Feuergefechte zwischen den Angreifern und der Polizei. US-Präsident Barack Obama sprach von einer "kalkulierten Attacke" gegen Polizisten.

Polizeichef Brown sagte, die Angreifer wollten so viele Gesetzeshüter wie möglich verletzen oder töten. Um wie viele Täter es sich insgesamt handelt, war zunächst unklar. Bislang hat die Polizei drei Verdächtige festgenommen, ein vierter mutmaßlicher Heckenschütze hatte sich in einem Parkhaus verschanzt und wurde dort von der Polizei getötet. Brown zufolge hatte der Mann zuvor ausgesagt, Ziel des Angriffs seien Weiße gewesen, insbesondere weiße Polizisten.

Gegenüber Vermittlern der Polizei hatte der Täter zudem angegeben, er habe "überall" im Zentrum der Stadt im US-Bundesstaat Texas Bomben gelegt. Die Polizei durchsuchte daraufhin die Stadt nach möglichen Sprengsätzen. Gefunden wurde aber nichts

Unter den Festgenommenen ist laut Polizei eine Frau, die am Tatort gewesen sei und nun verhört werde. Die anderen beiden Verdächtigen seien Insassen eines Autos gewesen, in das einer von ihnen eine Tasche geworfen haben soll. Danach sei das Auto mit hohem Tempo weggefahren. Es sei noch unklar, ob "wir alle Verdächtigen haben", sagte Brown.

Ein Mann, nach dem mit einem Fahndungsfoto gesucht worden war, stellte sich der Polizei zufolge selbst. Er war fälschlicherweise verdächtigt worden und wurde nach einer Befragung wieder freigelassen. Polizeichef Brown zufolge wird nach weiteren Verdächtigen gesucht. Die Polizei forderte Anwohner auf, das Stadtzentrum von Dallas zu meiden. Der öffentliche Verkehr wurde unterbrochen, berichtete die Dallas Morning News.

Die Schüsse wurden während einer Kundgebung im Belo Garden Park abgegeben. Wie in Dallas kam es auch in anderen Städten in den USA zu Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Vor den Schüssen seien die Proteste friedlich verlaufen. 

Augenzeugen berichteten von Chaos, als die ersten Schüsse kurz vor 21.00 Uhr (Ortszeit) am Donnerstag fielen. Passanten suchten Schutz in Hauseingängen oder Bushaltestellen. Als die ersten Schüsse zu hören waren, habe sie zunächst gedacht, es handele sich um Feuerwerkskörper, sagte eine Zeugin dem Sender KTVT. Sie sprach von mindestens 30 Schüssen.

Obama verurteilt Angriff auf Polizei

Präsident Obama zeigte sich bestürzt. Er sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein Beileid aus. Er sagte, dass alle Amerikaner schockiert seien. Die Angriffe seien eine "bösartige, kalkulierte, verachtenswerte Attacke gegen Polizisten" gewesen. Die betroffenen Polizisten hätten bloß ihre Arbeit erledigt und friedliche Demonstranten beschützt. Alle Verantwortlichen würden zu Rechenschaft gezogen: "Gerechtigkeit wird siegen." Die Taten seien durch nichts zu rechtfertigen. Die US-Bundespolizei FBI arbeite mit den lokalen Behörden zusammen. Auch er selbst sicherte den Texanern seine volle Unterstützung zu. 

Auch Mike Rawlings, Bürgermeister von Dallas, bekundete seine Trauer über die Toten. Der Morgen sei herzzerreißend gewesen. Die vier erschossenen Polizisten hätten stolz die Bürger beschützt.

Auslöser für die Demonstrationen waren die Vorfälle in Louisiana und Minnesota, wo binnen 48 Stunden zwei Afroamerikaner durch Polizisten getötet worden waren. Im Bundesstaat Minnesota starb der 32-jährige Philando Castile im Krankenhaus, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle auf ihn geschossen hatte. Kurz zuvor hatten zwei Polizisten in Lousiana den 37-jährigen CD-Verkäufer Alton Sterling auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und ihn aus nächster Nähe erschossen.

Wegen dieser Vorfälle hatte Obama eine Polizeireform gefordert. Die Ereignisse seien für Ungleichbehandlung in der Justiz symptomatisch. Veränderungen bei der Polizei seien zu langsam vorangekommen .Alle Amerikaner hätten Grund, beunruhigt zu sein. Viele Bürger erlebten, dass sie wegen ihre Hautfarbe anders behandelt würden als weiße Amerikaner.