Zum Auftakt seines Polen-Besuches hat Papst Franziskus die nationalkonservative Regierung zur Aufnahme von Flüchtlingen aufgefordert. Es sei "die Bereitschaft zur Aufnahme derer notwendig, die vor Kriegen und Hunger fliehen", sagte das Kirchenoberhaupt bei einem Treffen mit Präsident Andrzej Duda und Regierungschefin Beata Szydło in Krakau. Diejenigen, die ihrer Grundrechte beraubt seien oder des Rechtes, sich in Freiheit und Sicherheit zum eigenen Glauben zu bekennen, benötigten Solidarität.

Im Unterschied zu anderen EU-Staaten weigert sich Polen, in nennenswertem Umfang muslimische Flüchtlinge aus Krisengebieten wie Syrien, dem Irak oder Afghanistan aufzunehmen. Das hatte Regierungschefin Szydło angesichts der jüngsten Anschlägen in Deutschland und Frankreich bekräftigt.

Papst Franziskus sagte, das Phänomen der Migration verlange "eine zusätzliche Portion an Weisheit und Barmherzigkeit, um die Ängste zu überwinden". Nötig sei auch eine stärkere internationale Zusammenarbeit zur Lösung jener Konflikte, die Menschen in die Flucht trieben. Auch die Abwanderung aus Polen sprach der Papst an. Man müsse die Ursachen dafür herausfinden und denen, die wollen, die Rückkehr erleichtern. 

Die Rede in der historischen Königsresidenz Krakaus war der erste Programmpunkt des fünftägigen Besuchs von Franziskus. Anlass seiner Reise ist der katholische Weltjugendtag, zu dem sich mehr als eine halbe Million junge Pilger in der südpolnischen Stadt versammelt haben. Zudem will der Argentinier das ehemalige deutsche NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besuchen und Holocaustüberlebende treffen.

Im Heimatland seines Vorvorgängers Johannes Paul II. sprach Papst Franziskus vom "Traum eines neuen europäischen Humanismus" aus christlichen Wurzeln. Er erinnerte er an das Wort Johannes Pauls II. von einem "Europa, das mit seinen beiden Lungenflügeln atmet". Franziskus bestärkte Polen in der Treue zur Tradition, rief aber auch zu Offenheit für Erneuerung auf. Die "Verschiedenheit der Meinungen" steht der Einigkeit als Nation nicht entgegen.

"Die Welt ist im Krieg"

Das katholische Kirchenoberhaupt ging auch auf das polnisch-deutsche Verhältnis ein. So lobte er die Aussöhnung zwischen polnischen und deutschen Bischöfen nach dem Zweiten Weltkrieg als konstruktiven Umgang mit der Geschichte. Diese Initiative habe "einen nicht umkehrbaren gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und religiösen Prozess ausgelöst, der die Geschichte der Beziehungen zwischen den beiden Völkern verändert hat", so Franziskus. Kritisch bewertete er jedoch ein Gedenken, das "den Blick des Geistes und des Herzens zwanghaft auf das Schlechte fixiert, vor allem auf das, welches die anderen begangen haben".

Auf seinem Hinflug hatte Papst Franziskus gesagt, dass er die Welt derzeit in einem Kriegszustand sehe. "Wir dürfen keine Angst haben, die Wahrheit zu sagen: Die Welt ist im Krieg, weil sie den Frieden verloren hat", sagte er. "Es ist ein Krieg um Interessen, ein Krieg um Geld, ein Krieg um Ressourcen der Natur. (...) Ich spreche nicht von einem Krieg der Religionen." Alle Religionen wünschten sich Frieden.

Seine Reise steht unter dem Eindruck mehrerer Anschläge und Angriffe in den vergangenen Tagen, etwa in Nizza, München, Ansbach und zuletzt der Angriff auf eine katholische Kirche bei Rouen in Nordfrankreich. Mindestens 25.000 Sicherheitskräfte sollen den Weltjugendtag und den Papstbesuch absichern. Die Veranstalter nannten Krakau für diese Woche die "wahrscheinlich sicherste Stadt in Europa".