Straßencafés, die Silhouette des Eiffelturms und dunkelgrüne Kioske: Die Zeitungsstände mit ihrer charakteristischen kleinen Kuppel prägen das Stadtbild in Paris mit. Doch damit könnte es bald vorbei sein, denn die Kioske, deren Design es aus dem 19. Jahrhundert bis in die heutige Zeit geschafft hat, sollen bald einem moderneren Modell weichen. Das stößt bei vielen Bewohnern der französischen Hauptstadt auf Widerstand.

Entworfen wurden die Kioske 1857 vom Architekten Gabriel Davioud. Charakteristisch ist neben der Kuppel ein metallener Zierstreifen am Dach mit Ornamenten. Die mit Zeitungen, Magazinen und Postkarten vollgepackten Buden verleihen der Stadt den Charme des Vergangenen. Allerdings sind die heute noch stehenden Kioske keine Originale aus dem 19. Jahrhundert. Einige sind trotzdem in die Jahre gekommen, deswegen sollen etwa 360 ausgetauscht werden.

Die neuen Kioske sollen vor allem praktischer daherkommen. Den Plänen zufolge werden sie im Inneren aufgeräumter sein als die derzeitigen engen Verkaufsstände. Zudem sind Heizungen und eine bessere Isolierung geplant. Technische Neuerungen lösen Flair ab: Eine grün-rote Beleuchtung soll anzeigen, ob der Kiosk offen oder geschlossen ist. Und an den Außenwänden sollen interaktive Bildschirme angebracht werden.

Doch der Entwurf der Designerin Matali Crasset – ein schlichtes rechteckiges Häuschen ohne die charakteristische Kuppel – ist auf wenig Gegenliebe gestoßen. Stadträte verglichen den geplanten Kiosk mit einer "großen Mülltonne", einem "Fotokopierer" oder "Tupperware", wie die Le Parisien berichtete. Im Stadtrat wurde wegen des Streits eine neue Sitzung zu dem Thema angesetzt. Viele sehen nicht ein, warum bei einer Modernisierung das traditionelle Aussehen verändert werden muss. In Rom etwa würden derzeit neue Zeitungsstände aufgestellt, die sich am historischen Modell orientieren.

Alte Kioskform kam erst in den 1990ern zurück

Das Rathaus hält dagegen: Die Kioskform aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sei zwischenzeitlich ohnehin aus Paris verschwunden gewesen und erst in den 1990er Jahren zurückgekehrt – mit einer Plastikkuppel. Und es sei ein falsches Dogma, dass sich im Stadtbild nichts ändern dürfe.

Der Entwurf für die neuen Kioske in Paris. © MédiaKiosk

"Nein zu den neuen Pariser Zeitungskiosken – lasst uns den nostalgischen Geist von Paris bewahren", fordern mehr als 40.000 Menschen in einer Internetpetition. Die alten Kioske seien Teil des "romantischen Paris", wie es Touristen aus aller Welt lieben. "Warum nicht den Charme des Alten mit der Funktionalität und dem Komfort des Modernen vereinen?" fragt Initiatorin Juliette Larousse, eine 37 Jahre alte Pariserin.

"Mehr als die Hälfte der Kioske ist veraltet, und bei den anderen wird es bald der Fall sein", sagt Olivia Polski von der Pariser Stadtverwaltung. "Sie müssen modernisiert werden." Damit soll nach ihren Worten der Pressesektor unterstützt werden, "indem wir neue Kunden – unter anderem jüngere – anlocken und die Arbeitsbedingungen für die Kioskinhaber verbessern."

Auch die Kioskbetreiber versuchen die Pläne zu verhindern. "Das ist hässlich", sagt einer von ihnen über den Entwurf. Das hellere Grün des geplanten Zeitungsstands findet er komplett daneben und sagt: "Man muss den Charme der Kioske bewahren." Der jetzige Kiosk passe viel besser zu Paris "als dieses grüne Ding", sagt eine andere Kioskbesitzerin. Doch allzu viele Sorgen macht sie sich nicht, auch wenn der viel kritisierte Entwurf umgesetzt wird: "Letztlich wird es unseren Verkaufszahlen auch nicht schaden."