Die Lage der Flüchtlinge auf der Pazifikinsel Nauru ist skandalös. Dies bezeugen mehr als 2.000 Dokumente, die die britische Zeitung Guardian veröffentlicht hat. Die Dokumente bestehen aus Berichten des Personals auf der Insel und umfassen rund 8.000 Seiten. Sie umspannen den Zeitraum zwischen Mai 2013 und Oktober 2015.

Demnach kommt es auf der Insel zu zahlreichen sexuellen Übergriffen, Missbrauchsfällen und Selbstverletzungen. Insbesondere die Kinder, die dort als Flüchtlinge interniert sind, leiden. Viele von ihnen sind traumatisiert und zeigen ein psychologisch beunruhigendes Verhalten. In den sogenannten Nauru Files finden sich sieben Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch und 59 andere Missbrauchsfälle. Rund 30 Kinder und mehrere Erwachsene sollen sich in dem benannten Zeitraum absichtlich selbst verletzt haben.

Die Augenzeugen berichten etwa von einem Vorfall im Juli 2014, als ein Mädchen mit zugenähten Lippen durch das Lager gelaufen und dabei von Aufsehern ausgelacht worden sein soll. Im September 2014 soll ein weiteres Mädchen unter zehn Jahren mehrere Erwachsene zu sexuellen Handlungen aufgefordert haben.

Schikane durch Aufseher

In dem Flüchtlingslager kommt es auch immer wieder zu Selbstmordversuchen. Wie aus den Berichten hervorgeht, hat sich eine Frau an den Handgelenken aufgeschlitzt. Eine andere hängte sich an einem Seil auf, konnte aber noch gerettet werden. Bereits im April hatte sich ein junger Iraner aus Protest selbst angezündet und war dabei gestorben.

Den Dokumenten zufolge sind die Flüchtlinge zudem der Schikane des Personals auf der Insel ausgesetzt. In einem Fall drohte ein Aufseher einem Jungen damit, ihn zu töten. Ein Sicherheitsmann soll nur gegen sexuelle Gefälligkeiten längere Duschzeiten erlaubt haben: Er habe Jungen oder Mädchen beim Duschen zusehen wollen, heißt es. Eine Frau berichtete, dass ihr gesagt wurde, sie sei auf einer Liste mit anderen Frauen, auf die die lokalen Aufseher bereits "warten würden".

"Absichtlicher und systematischer Missbrauch"

Die schlechten Lebensbedingungen der derzeit 1.200 Flüchtlinge auf der streng abgeriegelten Insel sorgen immer wieder für Empörung. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch sprechen von einem "absichtlichen und systematischen Missbrauch". Den Menschen werde oft auch in Notlagen ärztliche Hilfe verwehrt, sie erhielten wenig Informationen und seien ständigen Attacken von Einheimischen ausgesetzt. Viele seien der Verzweiflung nahe, Selbstmordversuche an der Tagesordnung.

Die australische Regierung hatte solche Vorwürfe stets zurückgewiesen, zugleich aber Besserung gelobt. Auch in diesem Fall will sie nach eigenen Angaben die Vorfälle untersuchen und zusammen mit der Regierung von Nauru an einer Lösung arbeiten.

Seine umstrittene Flüchtlingspolitik will Australien aber nicht ändern. So weigert sich das Land, Flüchtlinge aufzunehmen, die die Küsten des Landes per Boot erreichen. Stattdessen bezahlt die Regierung die Staaten Nauru und Papua-Neuguinea dafür, diese Menschen fernab des australischen Festlands in Lagern auf den Inseln unterzubringen.