Die kurdischen Kämpfer im Nordosten Syriens werfen der Türkei vor, Angriffe auf ihre Stützpunkte und Wohnhäuser nahe der Stadt Dscharablus geflogen zu haben. Die Armee habe auf einen Ort unter der Kontrolle der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) gefeuert, meldete auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Ein Sprecher der syrischen Kurdenpartei PYD bestätigte den Angriff. Die Türkei erklärte nur, sie habe dort "Terrorgruppen" attackiert.

Die Demokratischen Kräfte Syriens sind ein von der Kurdenmiliz YPG angeführtes Bündnis, das vor allem die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bekämpft. Unterstützt wird es dabei durch Luftangriffe der US-geführten internationalen Koalition.

Die Regierung in Ankara fordert, dass sich die Kurden aus der Region um Dscharablus auf ein Gebiet östlich des Flusses Euphrat zurückziehen. Die türkische Armee und syrische Rebellen hatten den Grenzort in der vergangenen Woche bei einer Bodenoffensive vom IS eingenommen. Die türkische Armee beschoss danach jedoch Stellungen der Kurden in Nordsyrien mit Artilleriegranaten. 

Die türkische Regierung will damit verhindern, dass die Kurden noch mehr Gebiete unter ihre Kontrolle bringen. Sie befürchtet Auswirkungen auf die kurdischen Autonomiebestrebungen im eigenen Land. Die Kurdenpartei PYD und die Miliz YPG sind eng mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden, die von der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird.

USA und Russland beschließen Schritte zur Waffenruhe

Die USA und Russland verständigten sich unterdessen grundsätzlich über Schritte zu einer Waffenruhe zwischen Anhängern des Regimes und der Rebellen, die sich in anderen Regionen Syriens gegenüberstehen. Besonders umkämpft ist dabei die nordsyrische Stadt Aleppo.

Allerdings müssten bis zu einer Waffenruhe noch eine Reihe von Einzelheiten geklärt werden, sagten die Außenminister beider Länder in Genf. In diplomatischen Kreisen hieß es, trotz der langen Gespräche sei "lediglich ein kleiner gemeinsamer Nenner bestätigt worden". Experten beider Länder sollten jetzt offene Fragen klären.

"Wir wollen keine Vereinbarung, die nicht durchsetzbar wäre", sagte US-Außenminister John Kerry. Zu den offenen Fragen gehört nach Angaben beider Politiker das Vorgehen gegen terroristische Gruppierungen wie die Miliz Dschabhat Fatah al-Scham, die bis vor Kurzem unter dem Namen Al-Nusra-Front Teil des Terrornetzwerks Al-Kaida war.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow ergänzte, Russland habe erstmals von den USA eine Liste derjenigen syrischen Gruppen erhalten, die sich über die internationale Koalition einer Waffenruhe anschließen wollten. "Ohne eine Abgrenzung zwischen normalen, gesunden Oppositionskräften und Terroristen sehe ich keine Möglichkeit, eine wirklich dauerhafte und vollgültige Einstellung der Kampfhandlungen zu erreichen", sagte er.