Thomas Fischer ist Bundesrichter in Karlsruhe und schreibt für ZEIT und ZEIT ONLINE über Rechtsfragen. Weitere Artikel seiner Kolumne "Fischer im Recht" finden Sie hier – und auf seiner Website.
Ceterum censeo
Liebe Leser, der "Kolumnistenpreis für Literaturkritik und Revisionsrecht" kann in dieser Woche nur an eine Person gehen. Ihren Namen muss man eigentlich nicht mehr nennen, tut es aber trotzdem gern:
Der Kolumnenkenner Volker Zastrow erhält den Preis des Kolumnisten und zugleich den Baden-Badener "Venus Award" für sein Werk Der Richter mit den dicken Silikonbrüsten, veröffentlicht in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) vom 31. Juli 2016 auf Seite zwo.
Ich empfehle Ihnen allen das Werk zur Lektüre – es ist eine Art Porträt meiner Person – immerhin das dritte dem Fischer im Recht gewidmete, welches die Zeitung für Deutschland binnen kurzer Zeit in die Welt schleudert. Man kann dabei, wie schon in den vorangegangenen Erregungsausscheidungen der FAZ, das eine oder andere lernen über unsere gute alte Zeitung für Deutschland.
In Gestalt des Herrn Zastrow kommt nun auch schon der dritte FAZ-Autor aus seiner dunklen Höhle gestürzt wie die Leopardenmuräne aus dem Riff. Er reißt den Rachen mit den giftigen Zähnen auf und fordert die umherflitschenden Zebrafische auf, dem großmächtigen Zackenbarsch den Garaus zu machen.
Warum bloß? Welch bebende Wut muss da Platz gegriffen haben, und woher mag sie rühren? Ich selbst kenne Herrn Zastrow nicht. Er hat mit mir, über den er alles Mögliche zu wissen behauptet, nie ein Wort gesprochen.
Das Publikum immerhin kennt Herrn Zastrow aus seiner furchterregenden Kampagne gegen die Laschheit der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK), als beherzten Bekämpfer der "Fäkalsprache" und als Retter der Jugend vor Homosexualität – kurz: als Beauftragten zur Ausrottung von Schmutz und Schund. Sein Herausgeber Kohler posierte am 15. April 2016 in der FAZ mit offenem Hosenschlitz:
"Die Steinbach kann's einfach nicht. Sie hätte sich ein Beispiel an den Tweets nehmen sollen, die Böhmermann über sie abgesondert hat, in denen es nur so von eingeölten, holzharten Homosexuellenkörperteilen pimmelt."
Da war Herr Zastrow vermutlich gerade im Urlaub. Sonst hätte es auf Seite eins gewiss ein Jahrhundertstück gegeben mit dem Titel: "Der Herausgeber mit dem eingeölten P…" Daher kann sich gewiss jeder FAZ-Mitarbeiter die knallharte Abmahnung vorstellen, die Zastrow nach Urlaubsrückkehr in die Hauspost gab.
In diesem Werkzusammenhang sollte man wohl auch sein neuestes, dem Kolumnisten gewidmetes Stück betrachten. Eine Internet-Abfrage führt uns zu folgender Beobachtung der Autorin Andrea Geier in literaturkritik.de:
"Schriebe Zastrow eine kleine Anleitung zur Rhetorik der Diffamierung, hießen ihre wichtigsten Punkte: Behaupte, dass die Zusammenhänge, um die es dir geht, allgemein bekannt und sonnenklar sind, aber bisher unausgesprochen geblieben sind. Gerade wenn dein Argument offenkundig absurd ist, wäre es ein Fehler, es argumentativ stützen zu wollen. Streue vielmehr immer wieder Bemerkungen in den Text ein, die deiner These zuarbeiten, so dass im Gesamteindruck die Leser/innen das Gefühl bekommen, du hättest ihnen deine Thesen bewiesen."
Kommentare
Oh je... die Fehde zwischen Fischer und der FAZ wird immer infantiler. Mit Ruhm bekleckert sich da keine Seite.
die fehde ist doch ein paradebeispiel wie man mit kritik umgehen kann (kommt von können)! dazu muss mans sportlich sehen und die unterhaltende dimension beim betrachten des verbalen schlagabtauschs schätzen....
Bin ich der einzige, der sich immer mehr auf die wöchentlichen Kriege Süddeutsche-Fischer, FAZ-Fischer, Storokowski-Fischer freut wie auf eine spannende Vorabend-Serie?
Gestern schon den FAZ-Kommentar gelesen und gedacht "Mensch, das wird morgen wieder gut".
So fast wie GZSZ für Leute mit Schulabschluss.
Ich frage mich immer, glauben diese Journalisten im Ernst, dass Herr Fischer das liest, und dann im stillen Kämmerlein über seine Untaten nachsinnt? Dass da scharf zurückgeschossen wird, ist doch inzwischen sattsam bekannt. Oder vielleicht, dass seine Leser sich dann denken "hm, ja wenn das so ist, lese ich Herrn Fischer in Zukunft nicht mehr"? Auch eher unwahrscheinlich.
Mich wundert, dass Herr Maas noch nicht auf die Idee gekommen ist, Selbstmordattentate dadurch zu erschweren, dass man sie unter Strafe stellt.
Der war gut.
"Bleibt die Frage: Kennen die beiden Richter einander? Handelt es sich um ungleiche Zwillinge? Um gespaltene Persönlichkeiten? Wer weiß. Sicher ist bloß, dass keiner von beiden einen Herrn Zastrow kennt. Und das ist gut so."
Eindeutig derselbe - aus verschiedenen Perspektiven!
Tja, schlimm, wenn das Pferd von der einen Seite ein Schimmel ist und von der anderen Seite pechschwarz sein soll. Brauchen dann beide Betrachter oder nur einer der beiden eine sehr starke neue Brille?
Wie ist der Wahrnehmungsunterschied zu erklären?
Da hat schon mal einer vom Endsieg geschwafelt und dann war sein Ende da.
Die Angst davor, dass die eigenen Basisregeln falsch sind, schafft virtuelle Welten,
die sich in Luft auflösen werden. Diese Vermutung macht manche irre, weil sie spüren,
die eigene Vermutung wird zur Realität werden und das wird sehr weh tun.