Im Streit um Ganzkörperbadeanzüge legt sich Frankreichs Regierung nicht auf eine eindeutige Position fest. Premierminister Manuel Valls unterstützt zwar auf der einen Seite die Bürgermeister von Cannes und anderen Kommunen, die Burkinis an ihren Stränden verboten haben. Auf der anderen Seite lehnt der Regierungschef eine nationale Regelung ab.

"Strände müssen wie jeder andere öffentliche Raum vor religiöser Inanspruchnahme geschützt werden", sagte Valls der Regionalzeitung La Provence. "Der Burkini ist nicht ein neues Modell von Badeanzügen, eine Mode. Er ist die Übersetzung eines politischen Projekts, einer Gegengesellschaft, die unter anderem auf der Unterjochung der Frau fußt." Hinter dem Burkini stehe die Idee, dass Frauen "von Natur aus unkeusch und unrein" seien und sich deshalb vollständig zu bedecken hätten, sagte Valls weiter. Mit den "Werten Frankreichs und der Republik" sei das nicht vereinbar. "Die Republik muss sich gegen Provokationen verteidigen."

Angesichts der derzeitigen Spannungen – ein Verweis auf die islamistischen Anschläge dieses Sommers und die weiterhin hohe Terrorgefahr – müssten Störungen der öffentlichen Ordnung verhindert werden, sagte Valls. Er verstehe und unterstütze deswegen Bürgermeister, die das Tragen der muslimischen Anzüge verbieten, wenn das Motiv dahinter sei, "das Zusammenleben zu fördern, ohne politischen Hintergedanken". Anlass für eine gesetzliche Regelung sieht Valls dagegen nicht: Allgemeine Bekleidungsvorschriften könnten "nicht die Lösung sein".

Mehrere Frauen mussten Bußgeld zahlen

Der Burkini – eine Wortschöpfung aus Burka und Bikini – bedeckt den ganzen Körper und wird von muslimischen Frauen getragen, die beim Baden einer strengen Auslegung des Islam entsprechen wollen. Das Gesicht bleibt beim Burkini aber frei. Das Tragen eines Burkinis fällt also nicht unter das seit 2011 in Frankreich geltende Burka-Verbot, das untersagt, in der Öffentlichkeit sein Gesicht zu verhüllen.

In Frankreich haben einige Gemeinden ein Burkini-Verbot verhängt oder eines angekündigt, darunter Cannes und Villeneuve-Loubet an der Côte d'Azur. Wie die Tageszeitung Le Parisien berichtete, wurde in Cannes bereits gegen mehrere Frauen ein Bußgeld von 38 Euro verhängt.

"Er rennt dem FN hinterher"

Die Burkini-Verbote sind allerdings höchst umstritten. Kritiker prangern sie als rassistisch und islamfeindlich an und argumentieren, damit würden französische Muslime stigmatisiert. Befürchtet wird zudem, dass Burkini-Verbote die nach dem Anschlag von Nizza gewachsenen Spannungen zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen in Frankreich verstärken könnten.

Der Sprecher der kommunistischen Partei, Olivier Dartigolles, warf Valls vor, mit seiner Unterstützung für die Burkini-Verbote dem rechtsextremen Front National "hinterherzurennen". Der Premier spiele zudem Islamisten in die Hände: "Das ist genau das, was die Terroristen letztlich wollen: Einen Religionskrieg, ständige Spannungen, das Abdriften in einen Bürgerkrieg."