Ein Halal-Supermarkt in dem Pariser Vorort Colombes ist von den städtischen Behörden unter Androhung der Schließung dazu aufgefordert worden, Alkohol und Schweinefleisch zu verkaufen. Das Geschäft, das ein islamkonformes Angebot führt, habe gegen die Pachtauflagen verstoßen, indem es die Produkte aus seinem Angebot verbannt habe, argumentiert die Verwaltung. Dadurch diene der Laden nicht den republikanischen Prinzipien entsprechend der Allgemeinheit, sondern einer bestimmten Gruppe.

"Bürgermeisterin Nicole Goua hat den Laden selbst besucht und den Besitzer aufgefordert, Alkohol und Produkte, die nicht halal sind, zu verkaufen", sagte der Sprecher der Stadt, Jérôme Besnard, dem Telegraph. Insbesondere ältere Anwohner hätten sich beschwert, dass sie in dem Supermarkt nicht das komplette Sortiment kaufen könnten und deswegen weite Strecken in Kauf nehmen müssten.

Die Entscheidung hat aber auch eine gesellschaftliche Komponente. "Wir wollen eine Durchmischung: Wir wollen keine Viertel, in denen nur Moslems leben und wir wollen keine Viertel, in denen gar keine Moslems leben", sagte Besnard. Man hätte dieselbe Entscheidung  getroffen, wenn es sich um einen koscheren Supermarkt gehandelt hätte.

Der Besitzer wehrt sich

Der Besitzer des Geschäfts, Soulemane Yalcin, weigert sich, der Aufforderung nachzukommen. Mit einem Anwalt geht er gegen die Entscheidung vor. "Ich orientiere mich an der Nachfrage der Kunden", sagte Yalcin, der seinen Supermarkt in einer sozial eher schwachen Gegend mit vielen staatlichen Wohnungen betreibt, der Boulevardzeitung Le Parisien. Die Entscheidung für Halal-Produkte habe er rein aus geschäftlichen Gründen getroffen.

Yalcin argumentiert, dass der Pachtvertrag, der eigentlich bis 2019 läuft, einen Halal-Betrieb nicht ausschließe. In dem Vertrag sei von einem "Lebensmittelladen mit zugehörigen Aktivitäten" die Rede. Die Frage sei, was genau mit "zugehörigen Aktivitäten" gemeint sei.

Diese Frage wird nun ein Gericht klären. Die Verhandlung soll im Oktober beginnen.