Sechs Monate nach ihrem Messerangriff auf einen Polizisten in Hannover hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen die inzwischen 16 Jahre alte Safia S. erhoben. Wie die Ermittlungs- und Anklagebehörde mitteilte, wird ihr versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung sowie Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung zur Last gelegt. So geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass sie im Auftrag der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) gehandelt hat.

Parallel dazu erhob die Bundesanwaltschaft Anklage gegen einen 19-jährigen mutmaßlichen Mitwisser der Jugendlichen. Safia S. soll den mit ihr bekannten Deutsch-Syrer demnach in ihre Anschlagspläne eingeweiht haben, ohne dass dieser die Sicherheitsbehörden warnte. Für die Bearbeitung der Anklage ist der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts (OLG) im niedersächsischen Celle zuständig. Die Richter dort entscheiden über die Eröffnung eines Prozesses.

Safia S. hatte am 26. Februar 2016 bei einer Personenkontrolle im Hauptbahnhof Hannover ein Gemüsemesser in den Hals eines Bundespolizisten gestochen und diesen lebensgefährlich verletzt. Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft war sie mit zwei Messern bewaffnet und habe im Bahnhof nach Beamten Ausschau gehalten. Schließlich sei sie einer Streife gefolgt und habe eine Personenkontrolle "provoziert", bei der sie überraschend zugestochen habe.

Den Ermittlern zufolge hatte sich die Deutsch-Marokkanerin spätestens im November 2015 vor der Tat das Gedankengut des IS zu eigen gemacht und wollte ursprünglich über die Türkei in von der Miliz kontrollierte Gebiete reisen. Im Januar 2016 sei sie dann in die türkische Metropole Istanbul gereist und habe dort IS-Mitglieder kontaktiert. Kurze Zeit später wurde sie aber von ihrer Mutter an der Weiterreise nach Syrien gehindert und kehrte nach Deutschland zurück.

Mit im Gepäck hatte sie aber den Auftrag ihrer IS-Mittelsmänner zu einer "Märtyreroperation" in Deutschland. Über einen Messengerdienst im Internet hielt sie weiterhin mit Mitgliedern der Miliz Kontakt. "Einem von ihnen schickte sie am Vortag der Tat ein selbstgefertigtes Bekennervideo und besprach mit ihm die Vorgehensweise bei der Tatbegehung", teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Beobachtern der Szene gilt Safia S. als Beispiel für Einzeltäter, die sich selbst radikalisieren und dabei meist unterhalb der Aufmerksamkeit der Sicherheitsbehörden bleiben.