Die Zahl von illegal einreisenden Migranten aus der Türkei ist in Griechenland stark angestiegen. In den vergangenen 24 Stunden hätten 462 Menschen von der türkischen Küste auf griechische Ägäis-Inseln übergesetzt, teilte der Stab für die Flüchtlingskrise in Athen mit. Das sei die größte Zahl von Flüchtlingen und anderen Migranten, die seit Inkrafttreten des EU-Flüchtlingsabkommens mit der Türkei Anfang April an einem Tag registriert worden seien. In der vorangegangenen Woche waren es durchschnittlich 74 Menschen. 

"Wir beobachten das Phänomen und stehen in engem Kontakt mit den türkischen Behörden", hieß es aus Kreisen des Stabes. "Hoffentlich hängt das mit dem guten Wetter zusammen und ist kein Zeichen seitens der Türkei", sagte ein Offizier der Küstenwache. Die Inseln sind überfüllt, die Hotspots, die Unterbringungsmöglichkeiten für 7.450 Flüchtlinge bieten, sind mit rund 10.000 Menschen belegt.

Vor allem seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei versuchen wieder mehr Flüchtlinge, die griechischen Inseln zu erreichen – in den ersten drei Augustwochen waren es 2.300.

Zunächst waren die Flüchtlingszahlen mit der Umsetzung des EU-Türkei-Abkommens gesunken. Dieses sieht einen Austausch vor: Die EU schickt syrische Flüchtlinge, die illegal nach Griechenland eingereist sind, zurück in die Türkei. Dafür darf ein anderer Syrer aus der Türkei legal in die EU einreisen.

Trotzdem erreichen noch immer einige Tausend Menschen pro Monat Griechenland – im ersten Halbjahr 2016 wurden rund 160.000 registriert. Mehr als 58.000 Menschen sitzen in dem EU-Land fest, viele beantragten in der Hoffnung auf Verlegung in andere EU-Länder Asyl – was angesichts heftigen Widerstands der ost- und zentraleuropäischen Mitgliedsländer nur extrem langsam voran geht: Bisher wurden lediglich rund 4.400 Flüchtlinge aus Südeuropa umgesiedelt, 160.000 sollten es in den zwei Jahren bis September 2017 sein.