Einer von 29 Menschen stirbt. Nie zuvor war es so gefährlich für Flüchtlinge, das Mittelmeer zu überwinden. Wöchentlich wächst die Zahl der Toten. Mehr als 3.000 Migranten sind seit Jahresbeginn schon bei dem Versuch ertrunken, von den Küsten Libyens und Ägyptens nach Europa überzusetzen – weit mehr als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres. Für sie ist das Mittelmeer zur gefährlichsten Region der Welt geworden. Fast 80 Prozent aller toten Flüchtlinge werden dort gezählt.

Das Sterben im Mittelmeer

Seit 2014 sind auf dem Seeweg mehr als 10.000 Menschen umgekommen oder gelten als vermisst. Die Karte zeigt im Zeitraffer die einzelnen Unglücksfälle.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) dokumentiert alle Todesfälle im Mittelmeer, die den Behörden gemeldet werden. Ihre jüngsten Zahlen zeigen eine fatale Entwicklung. Denn obwohl in diesem Jahr bisher etwa ebenso viele Flüchtlinge über die zentrale Mittelmeerroute nach Italien kamen wie 2015 und obwohl die EU und viele Hilfsorganisationen Rettungsschiffe aussandten, die schon Tausende Menschen vor dem Ertrinken bewahrten, hat sich das Risiko dramatisch erhöht, auf der Überfahrt umzukommen.

Frank Laczko leitet das Datenzentrum der IOM in Berlin. Er führt die steigende Totenzahl auf neue Strategien der Schlepper zurück. Sie schicken die Flüchtlinge auf immer längeren Strecken über das Meer. Schon zwischen Libyen und Italien liegen mehr als 300 Kilometer offene See. Die Route aus Ägypten ist noch weiter. Doch je länger der Weg ist, desto höher ist das Risiko, dass etwas schief geht. Viele der Boote sind nicht seetauglich. Motoren versagen oder haben zu wenig Sprit, die Boote sind undicht oder kentern bei hohem Wellengang.

Zudem verwenden die Schlepper immer größere Boote, pferchen immer mehr Menschen hinein. Sie besetzen Schlauchboote mit bis zu 130 Personen, Holzkähne sogar mit 300 bis 700 Menschen. Wenn nur ein solches Boot sinkt, fordert es Dutzende Opfer. Im ersten Halbjahr 2016 gab es beispielsweise zwölf Unfälle, bei denen jeweils mehr als 40 Menschen gleichzeitig ertranken, weil ein großes Schlauchboot unterging. Vier weitere Havarien forderten sogar je mehr als 200 Todesopfer.

Schließlich schicken die Schlepper oft viele Boote gleichzeitig aufs Meer. Das macht es für die Retter der internationalen Flotte schwer, rechtzeitig zur Stelle zu sein, um den Flüchtlingen helfen zu können.

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