Zwei Tage nach dem Bombenanschlag in New York und dem Fund mehrerer Sprengsätze hat die Polizei einen Verdächtigen gefasst. Ahmad Khan Rahami wurde in Linden (New Jersey) festgenommen. Die Staatsanwaltschaft von Union County erhob Anklage wegen fünffachen Mordversuchs. Dabei geht es um einen Schusswechsel, den sich der Verdächtige mit der Polizei lieferte, als diese ihn festnehmen wollte. Der in Afghanistan geborene 28-jährige Rahami wird verdächtigt, für mehrere Explosionen vom Wochenende mitverantwortlich zu sein, die die Ermittler mittlerweile als Anschläge einstufen.

Rahami wurde bei der Festnahme verletzt und im Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Er ist nach offiziellen Angaben nicht in Lebensgefahr, auch nicht die beiden verletzten Polizisten. 

 

  • Im New Yorker Szeneviertel Chelsea in Manhattan waren am Samstag 29 Menschen bei einer Bombenexplosion verletzt worden. Medienberichten zufolge kam sie aus einem Müllcontainer.
  • Wenige Blocks weiter in der 27. Straße in Chelsea fand die Polizei einen Schnellkochtopf, der mit Drähten versehen und als Sprengsatz umgebaut war.
  • Im Seaside Park im Bundesstaat New Jersey explodierte am Sonntag eine von drei miteinander verbundenen Rohrbomben in einer Mülltonne. Sie galten vermutlich dem Benefizrennen der Marineinfanterie mit mehr als 5.000 Teilnehmern.
  • In der Nacht zu Montag sprengte ein Entschärfungsteam am Bahnhof von Elizabeth in New Jersey einen verdächtigen Gegenstand, an dem sich Drähte und ein Rohr befanden.

Rahami kam als Kind in die USA und wuchs dort auf. Seit 2003 hat er einen US-Reisepass, seit 2001 ist er eingebürgert, wie CNN berichtet. Er war laut FBI auf keiner Terrorliste der USA erfasst und auch nicht bei der New Yorker Polizei bekannt. Bisher gehen die Ermittler davon aus, dass Rahami nicht Teil einer Terrorgruppe oder eines Netzwerks ist. Bisher hat sich auch keine Gruppe zu den Taten bekannt.

Medien berichten Details über die Ermittlungen und die Umstände, die die Polizei auf die Spur von Rahami brachten. Den Beweis, dass Rahami an den Taten beteiligt gewesen sein könnte, sieht die Polizei in einem Fingerabdruck, den die Ermittler auf einem der nicht explodierten Sprengsätze fanden.

Die New York Times berichtete, er soll 2005 in Karatschi in Pakistan gewesen sein, wo es Rückzugsregionen und Ausbildungscamps für Terroristen gibt. Auch 2011 soll er in das Land gereist sein, für drei Monate, hieß es unter Berufung auf einen nicht genannten Offiziellen. Auf der Reise soll er auch in Afghanistan gewesen sein. In dieser Zeit soll er eine pakistanische Frau geheiratet haben. Zuletzt besuchte er laut der Berichte 2013 gemeinsam mit seiner Familie die westpakistanische Stadt Quetta. Im März 2014 kehrte er von dort zurück.

Probleme mit Nachbarn

Rahamis Familie betrieb in Elizabeth, dem Nachbarort von Linden, ein Hähnchenrestaurant. Die Zeitung zitiert einen Weggefährten Rahamis, der auch Rapper und Basketballteamkollege von Rahami und Kunde in dem Restaurant war, ihm habe ein Bruder Rahamis erzählt, dass Rahami vor vier Jahren aus Afghanistan zurückkam. Er soll verändert gewesen sein, einen Bart getragen haben, sich anders gekleidet und hinter dem Restaurant gebetet haben. Bei seinen Wiedereinreisen sei er jeweils zwei Mal befragt worden, berichtete CNN. Er gab an, seine Frau und Familienangehörige besucht zu haben. Rahami wollte sie in die USA bringen, zitiert CNN offizielle Quellen. Die Bemühungen dafür zogen sich von 2011 an hin. Die Frau war mittlerweile schwanger, berichtete CNN unter Berufung auf die Kongressabgeordnete Albio Sires, die Kontakt zu der Frau hatte. Rahami ist möglicherweise Vater.

Laut mehrerer Medien hatte die Familie wegen des Hähnchenrestaurants Probleme mit Nachbarn. Dagegen gab es Beschwerden und Sanktionen unter anderem wegen Lärmbelästigung. Rahamis Vater und zwei seiner Brüder hatten die Stadt 2011 deshalb wegen des Vorwurfs der Diskriminierung verklagt. Sie warfen den Behörden vor, dass die Öffnungszeiten des Lokals aufgrund von rassistisch und antimuslimisch motivierten Beschwerden vom Anwohnern begrenzt worden seien.

Anklage wegen Mordversuchs

Die New York Times zitiert weitere Kenner der Familie. Demnach kam Rahamis Vater Mohammed aus dem afghanischen Kandahar. Dort gehörte er zu den Mudschahedin, die gegen die Sowjetarmee kämpften. Der Vater soll die Familie als nicht antiamerikanisch beschrieben haben. Die Taliban sollen ihm suspekt sein, den "Islamischen Staat" verabscheue er.

Offenbar ist Ahmad Khan Rahami ein Anhänger der amerikanischen Straßenkultur. Der Rapper-Freund wird zitiert, im Hinterhof des Imbisses hätten sie beide Rap-Wettbewerbe ausgerichtet. Der Rapper habe auch geholfen, einen Song für das Restaurant zu schreiben.

Die Ermittler vermuten laut CNN, dass Rahami der Mann ist, der auf zwei Videoaufnahmen zu sehen ist: am Ort der Explosion in Chelsea und nur wenige Häuserblocks entfernt an einem weiteren Ort, an dem ein zweiter Sprengsatz gefunden wurde. Das hatte den Verdacht aufkommen lassen, dass es eine Verbindung gibt.

Laut dem Bericht ist in dem zweiten Video zu sehen, wie der Mann einen Seesack ablegt. Wenig später tauchen demnach an derselben Stelle zwei andere Männer auf, die einen Müllbeutel aus dem Sack holen und auf dem Bürgersteig deponieren. Der Beutel enthalte vermutlich die mithilfe eines Schnellkochtopfs fabrizierte Bombe, hieß es.