Schläge, fliegende Flaschen, Beleidigungen: In Bautzen haben sich Rechte mit Asylbewerbern geprügelt und sie danach durch die Stadt gejagt. Die Gewalt ist der Höhepunkt längerer Spannungen in der sächsischen Stadt. Doch wer hat angefangen?

Auf diese Frage kriegt man in Bautzen am Tag nach den Übergriffen zwei Antworten. Welche hängt davon ab, wo man fragt: Auf dem Kornmarkt, von den meisten einfach nur Platte genannt, wo sich die jungen Flüchtlinge treffen. Oder an der Halbkugel, so heißt eine Skulptur, nur ein paar Meter entfernt, direkt vorm Eingang eines Einkaufszentrums; hier hängen Jugendliche aus Bautzen herum. An der Halbkugel heißt es: "Die Scheiß-Ausländer provozieren immer." An der Platte sagen sie: "Stimmt nicht, die Scheiß-Nazis haben angefangen."

Seit Monaten sitzen sie sich gegenüber, tage- und nächtelang, auf beiden Seiten fließt reichlich Alkohol. Sie schimpfen übereinander, sie zeigen aufeinander, immer mal mit Stinkefingern, auch da ist keine Seite besser als die andere. Zumindest das sieht man in beiden Lagern ähnlich: Die Lage hat sich in den letzten Monaten zugespitzt. Irgendwann musste es eskalieren.

Am Mittwochabend, kurz vor 21 Uhr, gingen bei der Polizei gleich mehrere Notrufe ein. Anwohner meldeten: Krawall auf dem Kornmarkt. Verbale und tätliche Auseinandersetzungen zwischen 80 Personen aus dem rechten Spektrum und etwa 20 minderjährige Flüchtlinge, so steht es später im Polizeibericht. Die erste Flasche flog von Seiten der Asylbewerber.

45 bis 90 Minuten Chaos

Der Bautzener Polizeichef Uwe Kilz, eigentlich schon im Feierabend, genauer gesagt zu Hause unter der Dusche, musste mal wieder zu Überstunden ausrücken, mit ihm rund 100 Beamte, unter anderem von der Bundespolizei und dem Operativen Abwehrzentrum, die als eilige Verstärkung nach Bautzen geschickt wurden.

Die Polizisten brauchten Stunden, um die beiden Lager zu trennen, dafür benutzten sie "aus Notwehr" Pfefferspray und Schlagstöcke. Aus der Gruppe der Asylbewerber flogen Flaschen, Holzlatten und andere Gegenstände, auch auf die Beamten.

Als die Asylbewerber den Markt verließen, folgten ihnen die Rechten und brüllten "Wir sind das Volk" und "Unser Markt bleibt deutsch". Später erklärt Polizeichef Kilz: "Ich würde nicht von Anarchie sprechen, aber es waren zumindest 45 bis 90 chaotische Minuten." Erst weit nach Mitternacht war die Situation halbwegs beruhigt.