Karl Dietrich Bracher ist tot. Der Bonner Politikwissenschaftler und Historiker starb am Montag im Alter von 94 Jahren in Bonn, wie die Universität am Mittwoch mitteilte. Wissenschaftlichen Ruhm errang er mit Werken über die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert und politische Ideen.

Der gebürtige Stuttgarter promovierte 1948 nach seinem Studium der Alten und Neuen Geschichte, Philosophie, Klassischen Philologie und Literatur an der Universität Tübingen. Nach Studien an der Harvard University in den USA habilitierte er sich 1955 in Berlin mit einer herausragenden Arbeit zum Thema "Die Auflösung der Weimarer Republik. Eine Studie zum Problem des Machtverfalls in der Demokratie".     

1959 kam Bracher an die Universität Bonn, wo er eine Professur für die Wissenschaft von der Politik und Zeitgeschichte übernahm und das Seminar für Politische Wissenschaft aufbaute.

Bracher war zusammen mit Theodor Eschenburg, Eberhard Jäckel und Joachim Fest Herausgeber der sechsbändigen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Zudem gehörte er, zeitweise als Vorsitzender, der Kommission für die Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien in Bonn an.

Der Rektor der Universität Bonn, Michael Hoch, würdigte den Verstorbenen als einen der herausragendsten Wissenschaftler, die die Universität Bonn im 20. Jahrhundert hervorgebracht habe. "Er war ein Pionier der deutschen Politikwissenschaft." Brachers Lebenswerk präge das Fach und den Ruf der Universität Bonn in dieser Disziplin bis heute.