Lesbos - Festnahmen nach Brand in Flüchtlingslager © Foto: Giorgos Moutafis/Reuters

Nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos hat die Polizei 18 Flüchtlinge und Migranten festgenommen. Die Männer aus Afghanistan, Kamerun, Senegal und Syrien stünden im Verdacht, für die Brandstiftung und die Krawalle inner- und außerhalb des sogenannten Hotspots verantwortlich zu sein, berichtete die Athener Tageszeitung Kathimerini. Mindestens neun von ihnen sollen dem Haftrichter vorgeführt werden.

Im überfüllten Auffanglager Moria war es am Montagabend zu Krawallen und Brandstiftung gekommen. Die mehr als 3.000 Bewohner des Lagers flohen vor den Flammen, verletzt wurde dabei niemand. Mehr als 60 Prozent der Einrichtung sollen durch das Feuer zerstört worden sein, unter anderem verbrannten etliche Zelte.

Am Morgen nach dem Brand fragten sich Inselbewohner und Migranten gleichermaßen, wie es weitergeht. "Der Hotspot von Moria gleicht einem Schlachtfeld", sagte Inselreporter Giannis Sinanis am Dienstagmorgen im Fernsehsender Skai. Sinanis, der auf Lesbos die Onlinezeitung Lesvos News betreibt, machte die Regierung für die Vorfälle verantwortlich. "Wir warnen schon lange davor, dass die Situation eskalieren wird. Nun ist es soweit."

Die Lage auf der griechischen Insel ist schon lange prekär. Überfüllung und lange Verzögerungen bei der Bearbeitung von Asylanträgen haben in Moria wiederholt zu Spannungen geführt, häufig unter Angehörigen unterschiedlicher ethnischer Gruppen. Regionalgouverneurin Christiana Kalogirou sagte, sie habe die Regierung in Athen mehrfach gewarnt, dass Lager wie dieses in der östlichen Ägäis auf gefährliche Weise überfüllt seien. Sie bat die Regierung nach dem Brand erneut, die Migranten auf das Festland zu bringen.

Eigentlich sollen die illegal Eingereisten im Rahmen des EU-Flüchtlingsabkommens zurück in die Türkei geschickt werden. Doch nach dem Brand haben Tausende Flüchtlinge und Migranten keine Unterkunft mehr.

Eine Fähre als Ersatzlager?

Sinanis sagte, es sei jetzt im Gespräch, dass die Regierung zusätzlich Bereitschaftspolizisten nach Lesbos bringt. Das löse das Problem aber nicht, so der Journalist. Auch Pläne, wonach eine Fähre im Hafen der Inselhauptstadt Mytilini als schwimmendes Ausweichlager eingesetzt werden soll, seien nicht umsetzbar. "Erstens ist die Inselbevölkerung dagegen, die schon lange unter der großen Zahl der Flüchtlinge leidet. Und zweitens wird sich nach den Vorfällen am Montagabend keine Fährgesellschaft finden, die eine Fähre bereitstellt", sagte der Reporter.

Der Bürgermeister von Lesbos befürchtete angesichts der chaotischen Zustände auf seiner Insel weitere Eskalationen. "Ich weiß nicht, ob es heute sein wird oder in ein, zwei Tagen, aber wenn die Situation nicht umgehend entschärft wird, werden wir sicher wieder neue, noch schlimmere Vorfälle erleben", sagte Spyros Galinos dem griechischen Radiosender Parapolitika FM.

"Angesichts des überfüllten Lagers war es nur eine Frage der Zeit, bis das passiert", sagte Galinos. "Es kann nicht sein, dass nur rund 15 Gemeinden in ganz Griechenland die gesamte Flüchtlingsproblematik schultern", so der Bürgermeister.

Regierung in Athen hat noch nicht reagiert

Die griechische Regierung äußerte sich zunächst nicht zu den Vorfällen. Ministerpräsident Alexis Tsipras und andere Regierungsmitglieder nehmen derzeit am UN-Flüchtlingsgipfel in New York teil.

Insgesamt leben derzeit in Griechenland etwa 60.000 Flüchtlinge. Die Insel war Hauptziel für mehr als eine Million Menschen, die seit Anfang 2015 die Inseln im Osten Griechenlands von der Türkei aus erreicht haben. Die meisten von ihnen wollen in andere EU-Staaten weiterreisen. Dies ist aber wegen der geschlossenen Balkanroute und des EU-Flüchtlingsabkommens mit der Türkei derzeit unmöglich. In die Türkei wurden seit März gut 500 Menschen zurückgebracht. Keiner von ihnen hatte nach griechischen Angaben Asyl beantragt.