Mit einem Plan für einen radikalen Umbau der Volkswirtschaften haben sich zwei der einflussreichsten Zukunftsforscher der vergangenen Jahrzehnte zurückgemeldet. Der neue Bericht an den Club of Rome, den Jørgen Randers und Graeme Maxton vorstellten, trägt den Titel Ein Prozent ist genug. Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bekämpfen. Randers gehörte zu den Autoren des Bestsellers Die Grenzen des Wachstums von 1972. Maxton ist Generalsekretär des Club of Rome. Der Club setzt sich für eine nachhaltige Entwicklung und den Schutz des Planeten ein.

Die Autoren schlagen in ihrem Bericht eine schrittweise Erhöhung der Erbschaftsteuer auf bis zu 100 Prozent vor. Außerdem die Zahlung einer Prämie für Kinderlosigkeit und eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre. Frauen, die in der westlichen Welt nur ein Kind bekommen, sollen ebenfalls eine besondere Förderung erhalten.

Zu den von Randers und Maxton favorisierten Maßnahmen für reiche Industriestaaten gehören auch höhere Steuern auf ungesunde Produkte und fossile Brennstoffe. Sie fordern eine Abkehr vom Freihandel, vom "unendlichen Konsum" und von der "marktradikalen Ideologie". Sie schränken jedoch ein, für viele Entwicklungsländer sei "herkömmliches Wirtschaftswachstum" noch wünschenswert.

Maxton sagte bei der Buchvorstellung in Berlin: "In den letzten 30 Jahren hatten wir wirtschaftliches Wachstum und trotzdem sind Arbeitslosigkeit und Ungleichheit schlimmer geworden". Die hohe Zahl an Flüchtlingen spreche eine klare Sprache, sagte Maxton. Hinzu komme der zu erwartende Verlust weiterer Arbeitsplätze durch die Digitalisierung. "Es scheint, dass wir in einer wirtschaftlichen Sackgasse angelangt sind."

Auch sollen aus Sicht der Forscher mehr grüne Konjunkturprogramme gestartet werden. Darüber hinaus sollen fossile Brennstoffe besteuert werden und die Steuereinnahmen fair unter allen Bürgern verteilt werden. Bürger, die in einen umweltfreundlichen Beruf wechselten, sollen gefördert werden. Ebenso sollen Menschen, die andere zu Hause pflegen, Förderung erhalten. Reiche, Erben und Unternehmen sollen höher besteuert werden.

Randers betonte, ihre Reformvorschläge böten für die Mehrheit der Menschen auch kurzfristig Vorteile. Als ein Beispiel nannte er die Einführung von zwei zusätzlichen Urlaubstagen pro Jahr.

Der Club of Rome ist eine Vereinigung von Führungspersönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu Fragen der globalen Entwicklung. Auch im letzten Jahr fiel ihr Bericht düster aus, damals standen der Klimawandel und dessen Folgen für die Erde im Mittelpunkt.

Club of Rome ist seiner Zeit voraus

Die Präsidenten des Club of Rome, Ernst Ulrich von Weizsäcker und Anders Wijkman, sehen in dem jetzigen Bericht "eine Vielzahl guter Ansätze". Sie warnen: "Viel Zeit bleibt unserer Welt nicht mehr, um ihre Hochgeschwindigkeitsfahrt zu beenden! … Die Mauer kommt näher …" 

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller sagte, der Club of Rome sei seiner Zeit immer voraus gewesen. "Unser westliches Wirtschafts- und Konsummodell ist nicht das Zukunftsmodell für Indien und Afrika."