Mehr als zwei Drittel der Deutschen sind der Ansicht, dass Flüchtlingskinder die gleichen Rechte und Chancen haben sollten wie in Deutschland geborene Kinder. Das ergab eine Umfrage von infratest dimap, die das Deutsche Kinderhilfswerk in Auftrag gegeben hatte. Demnach denken aber auch 64 Prozent, dass Gesellschaft und Staat schon viel oder sehr viel für Flüchtlingskinder tun. Besonders Anhänger von FDP und CDU sind davon überzeugt.

Das Kinderhilfswerk kritisiert, dass Flüchtlingskinder in Deutschland systematisch ausgegrenzt würden. Die Asylgesetze widersprächen an vielen Stellen der UN-Kinderrechtskonvention, sagte Thomas Krüger, Präsident des Kinderhilfswerkes. "Flüchtlingskinder sind in erster Linie Kinder und müssen dieselben Ansprüche auf Leistungen der bestehenden Sozialsysteme haben wie andere Kinder auch." Die Ergebnisse der Umfrage seien ein deutlicher Handlungsauftrag für Bund und Länder, der Diskriminierung von Flüchtlingskindern entgegenzutreten.

Auch ein Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef war im Juni zu dem Ergebnis gekommen, dass Flüchtlingskinder in Deutschland ungleich behandelt werden. Dem Bericht zufolge werden in Deutschland ankommende Flüchtlingskinder nicht systematisch erfasst. Oft wisse man daher gar nicht, wie viele von ihnen es überhaupt gibt und welcher Anteil besonders schutzbedürftig ist. Der Kinderschutz sei zudem in vielen Unterkünften nicht gewährleistet, es fehle an Hygiene, ausreichenden Spiel- und Lernmöglichkeiten sowie psychosozialen Hilfen. Bundeseinheitliche Standards, wie Unterkünfte gestaltet sein müssen, gebe es nicht, sodass sich der Umgang mit den geflüchteten Kindern zwischen Ländern und sogar zwischen benachbarten Kommunen unterscheide. Zu oft hänge der Kinderschutz vom Engagement Einzelner ab. Unicef fordert entsprechende gesetzliche Regelungen.

Die Mehrheit der Deutschen erklärt sich in der Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks darüber hinaus dazu bereit, Flüchtlingskinder persönlich zu unterstützen. Mit 54 Prozent sind das 4 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Besonders Anhänger der SPD (69 Prozent), der Grünen (67 Prozent) und der Linken (66 Prozent) sind zu persönlichem Engagement bereit, genau wie Menschen aus höheren Bildungsschichten.

Laut der UN-Kinderrechtskonvention sollen in Deutschland Flüchtlingskinder die gleichen Rechte haben wie in Deutschland geborene Kinder. Internationale Kinderhilfsorganisationen wie Unicef, Plan International oder Save the Children kritisieren aber bereits seit längerem, dass der internationale Standard in der Praxis hierzulande nicht eingehalten werde.