Als Redenschreiber und Berater von Bundeskanzler Willy Brandt saß er im Zimmer der Macht, er verfasste eine monumentale Thomas-Mann-Biografie und war der erste ZDF-Korrespondent in Washington: Nun ist der Journalist und Schriftsteller Klaus Harpprecht im Alter von 89 Jahren nach schwerer Krankheit in Südfrankreich gestorben, wo der gebürtige Stuttgarter seit den achtziger Jahren lebte.

Nach Brandts Wahl zum Bundeskanzler wurde Harpprecht 1972 dessen Berater für internationale Fragen und Leiter des Schreibbüros im Bonner Kanzleramt. Davor und danach war er als Journalist und im Verlagswesen tätig. Er schuf mehr als 50 Dokumentarfilme, schrieb zahlreiche Artikel und Essays in renommierten deutschen Zeitungen. Bekannt wurde er unter anderem durch Analysen in der ZEIT, der Süddeutschen Zeitung, aber auch in ausländischen Blättern wie der New York Times.

Angefangen hatte Harpprecht bei der Wochenzeitung Christ und Welt. Später arbeitete er für den Rundfunk beim Berliner Sender Rias, beim Sender Freies Berlin sowie beim WDR. Für das ZDF war er der erste Korrespondent in Washington. Ab 1966 leitete er für drei Jahre den S. Fischer Verlag in Frankfurt am Main.

Noch lange Zeit danach war Harpprecht auch literarisch tätig. Er veröffentlichte unter anderem 1995 eine Thomas-Mann-Biographie. Seine Erfahrungen mit Bundeskanzler Brandt schilderte er in dem im Jahr 2000 erschienenen Buch Im Kanzleramt.

SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte Harpprecht einen "scharfen wie sensiblen Chronisten und Analysten der deutschen Nachkriegspolitik". Zudem sei er einer der "wortmächtigsten" Journalisten und Publizisten seiner Generation gewesen. Als Vertrauter Willy Brandts habe er die "kongeniale Sprache" zu dessen Modernisierungspolitik geschaffen. Die Sozialdemokraten trauerten um ihr ehemaliges Parteimitglied.

Jörg Bong, der verlegerische Geschäftsführer des S. Fischer Verlags, würdigte die demokratische Haltung Harpprechts, der eine der prägenden Persönlichkeiten der Bundesrepublik gewesen sei. "Klaus Harpprecht vereinigte Eigenschaften und Fähigkeiten, die ihn zu einer Ausnahme im kulturellen und politischen Leben machten – eine ungeheuer profunde Bildung, sprachliche Eleganz, eine ausgeprägte Neugier und nicht zuletzt eine zutiefst demokratische Haltung", hieß es in einer Mitteilung des Verlags.

Ein Mann, der die Freiheit liebte

Harpprecht war stets kritisch, auch gegenüber seinen Arbeitgebern – vor allem die öffentlich-rechtlichen Medien prangerte Harpprecht gnadenlos an. "Der Kultur- und Informationsauftrag wird zugunsten der nirgendwo festgeschriebenen Unterhaltung vernachlässigt", kritisierte der Publizist vor einigen Jahren die von ihm so genannte Quoten-Diktatur.

Seit 1982 lebte Harpprecht im südfranzösischen La Croix Valmer, galt im Land als engagierter deutscher Intellektueller. Er nahm kein Blatt vor den Mund und liebte seine Freiheit. Deshalb ist der ehemalige Brandt-Berater auch nie Politiker geworden, wie er vor einiger Zeit erzählte: "Ich wollte in der Politik nie Karriere machen, ich wollte nie in den Bundestag noch in eine Botschaft – der Unabhängigkeit zuliebe."