Terrorismus - Festgenommener Syrer plante Bombenanschlag Ein in Köln festgenommener Flüchtling hatte der Polizei zufolge Anschlagspläne. Der 16-Jährige habe mit einem Mitglied des "Islamischen Staats" gechattet und dabei konkrete Anweisungen erhalten. © Foto: Marius Becker/dpa

Ein in Köln festgenommener Syrer hatte offenbar Verbindungen zu Islamisten und plante einen Sprengstoffanschlag. Er habe in Internet-Chats seine "unmissverständliche Bereitschaft" geäußert, einen solchen Anschlag zu begehen, sagte Klaus-Stephan Becker von der Kölner Polizei über den Stand der Ermittlungen.

Von einem Chatpartner im Ausland habe er "ganz konkrete Anweisungen" zum Bau einer Bombe erhalten, sagte Becker. Hinweise darauf, dass er sich bereits mit Materialien für den Bau eines Sprengsatzes versorgt habe, gebe es dagegen nicht, sagte der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies. Ein konkretes Anschlagsziel sei nicht bekannt. Laut dem Kölner Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn ging es in dem Chatverkehr auch um Fragen einer vermeintlichen Legitimität von Tötungshandlungen und darum, an welchen Stellen Sprengsätze bei einem Anschlag am besten zu platzieren seien.

Der 16-Jährige kommt nun in Untersuchungshaft. Wie die Kölner Polizei sagte, habe eine Richterin Haftbefehl wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttag erlassen.

Die Polizei hatte das Handy des Syrers ausgewertet: Die Daten belegten "Kontakte zu einer im Ausland lebenden Person mit IS-Bezügen, die den jungen Syrer für islamistische Aktivitäten gewinnen wollte", teilten Kölner Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Die ersten Anhaltspunkte, wonach sich der Syrer in kurzer Zeit radikalisiert habe, hätten sich damit bestätigt.

Festnahme in Flüchtlingsunterkunft

Der junge Mann war am Dienstag in einer Kölner Turnhalle, die als Notaufnahmeeinrichtung für 200 Geflüchtete genutzt wird, von einer Spezialeinheit festgenommen worden. In dem Gedränge, das durch den plötzlichen SEK-Einsatz entstand, waren drei Flüchtlinge leicht verletzt worden. Die Ermittler hatten Hinweise auf seine Radikalisierung erhalten.

Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte sich der 16-Jährige offenbar innerhalb weniger Monate radikalisiert. Laut Mathies wurde er zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester am 4. Januar 2015 in Münster als Flüchtling erfasst. Die Familie lebte demnach zunächst in Dülmen, danach in einer Asylunterkunft in Köln-Holweide und zuletzt in Köln-Porz.

Hinweise auf "komisches Verhalten"

Mathies berichtete von insgesamt drei Fällen, in denen die Kölner Polizei seit Juni Hinweise auf ein auffälliges Verhalten des Jugendlichen geprüft habe. So berichteten demnach am 10. Juni die Heimleitung und mehrere Bewohner der Unterkunft in Köln-Holweide über ein "komisches Verhalten" des Jugendlichen. Er esse nur noch Obst und bete zunehmend häufig – dabei wende er sich in eine leicht andere Richtung als beim muslimischen Gebet üblich, was auf einen IS-Bezug hindeute. Mathies zufolge untersuchten die Ermittler bereits damals das Handy des Jungen, fanden auf dem Gerät aber nur wenige Bilder mit IS-Bezug und zudem keinen versteckten Ordner, von dem in den Hinweisen die Rede gewesen war.

Nach der Verlegung der Familie nach Köln-Porz erhielt die Polizei dann den Angaben zufolge am 2. September Hinweise von Sozialarbeitern aus der dortigen Unterkunft. Der Junge isoliere sich, schaue niemanden mehr an und sei nachts ständig unterwegs. Bei der anschließenden Überprüfung stieß die Polizei laut Mathies aber nicht auf "Terrorismusbezüge".

Am vergangenen Sonntag gingen dann bei der Polizei Hinweise auf den Jugendlichen aus einer Moschee des Islamverbands Ditib in Köln-Porz sowie von Mitarbeitern und Mitbewohnern der Porzer Unterkunft ein. Demnach hatte sich der Jugendliche seit zwei Monaten regelmäßig und über viele Stunden in der Moschee aufgehalten und dabei sein Handy benutzt. Auch sei von Bezügen zum IS die Rede gewesen.

Ermittler wollen Hintermänner finden

Die Ermittler entdeckten daraufhin auf dem Handy des 16-Jährigen den Chatverlauf, der bei der ersten Überprüfung des Mobiltelefons im Juni noch nicht vorhanden war. Das Verhalten des Jugendlichen habe sich also "innerhalb von drei Monaten deutlich verändert", sagte Mathies.

Der Vater des Jungen hatte die Vorwürfe unmittelbar nach der Festnahme zurückgewiesen. Er berichtete dem WDR, dass sein Sohn in einer anderen Kölner Unterkunft erstmals gebetet habe. "Da waren Syrer und Iraker, die haben regelmäßig gemeinsam gebetet. Und sie wollten, dass mein Sohn mitmacht. Sie haben aber nicht nur gebetet. Sie haben auch Islam-Unterricht gegeben", erklärte er. Später sei sein Sohn per Internet von Leuten kontaktiert worden, die ihn überreden wollten, nach Syrien zurückzukehren oder nach Palästina zu reisen. Sein Sohn sei nicht gefährlich, er habe nur Scherze im Zusammenhang mit dem Islamismus gemacht, sagte sein Vater.

Die Ermittlungen stünden erst am Anfang, betonten Polizei und Staatsanwaltschaft. Es gehe jetzt unter anderem darum, die Hintermänner zu identifizieren. Bisher habe man nur einen Chatpartner festgestellt. Die Staatsanwaltschaft hat Haftbefehl beantragt. Eine Zuständigkeit des Generalbundesanwalts wird geprüft.

Die deutschen Behörden sind wegen der Einreise mutmaßlicher Extremisten schon länger in Alarmbereitschaft. Erst in der vergangenen Woche wurden in Schleswig-Holstein drei Syrer verhaftet, die IS-Mitglieder sein sollen. Einer von ihnen soll im Umgang mit Waffen und Sprengstoff ausgebildet worden sein. Auch die Anschläge von Würzburg und Ansbach im Juli gingen Ermittlern zufolge auf das Konto von Islamisten. Experten haben erklärt, die Anschlagsgefahr im Westen steige, je mehr der IS in seinem Kerngebiet in Syrien und Irak unter Druck gerät.