Charlotte - Proteste gegen tödliche Polizeigewalt dauern an In Charlotte gingen in der Nacht zum Freitag erneut Demonstranten auf die Straße. In Tulsa erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen eine Polizistin. © Foto: Mike Blake/Reuters

In der Stadt Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina haben sich in der Nacht Hunderte Demonstranten einer Ausgangssperre widersetzt. Sie blieben auch nach Mitternacht (6 Uhr MESZ) auf den Straßen des Stadtzentrums, berichtete ein AFP-Reporter. Sicherheitskräfte waren mit massivem Aufgebot vor Ort, griffen zunächst aber nicht ein.

Die Bürgermeisterin von Charlotte, Jennifer Roberts, hatte die Ausgangssperre nach erneuten Protesten gegen Polizeigewalt verhängt. In der dritten Nacht in Folge waren Hunderte Demonstranten auf die Straße gegangen. Friedliche Proteste endeten in der Nacht zuvor in einer Straßenschlacht. Ein Demonstrant wurde von Kugeln getroffen, die offenbar von anderen Zivilisten abgegeben wurden. Er ist nach Polizeiangaben inzwischen an den Verletzungen gestorben.

Anlass der Proteste ist der Tod eines schwarzen Mannes durch die Schüsse eines Polizisten am Dienstag. Die Umstände des Falles bleiben umstritten. Die Polizei teilte mit, der Getötete habe eine Waffe bei sich gehabt. Familie und Freunde von Keith Scott betonen, er habe lediglich ein Buch in der Hand gehalten und auf seinen Sohn gewartet.

Die Polizei lehnt die Veröffentlichung der Aufnahmen von Körperkameras der beteiligten Beamten mit Verweis auf laufende Ermittlungen bisher ab. Die Familie des Toten fordert die Veröffentlichung. Die Angehörigen hätten die Aufzeichnungen am Donnerstag zu sehen bekommen, teilten die Anwälte der Familie mit. Um Transparenz zu schaffen, müsse die Polizei diese nun auch öffentlich machen. Die Anwälte erklärten, auf den Videos könne man nicht erkennen, ob Scott überhaupt etwas in der Hand gehalten habe. "Seine Hände waren an seiner Seite, und er ist langsam rückwärts gegangen, als er getroffen und getötet wurde", hieß es in einer Stellungnahme.

Polizistin in Oklahoma muss vor Gericht

Unterdessen ist gegen die Polizistin, die vergangene Woche einen unbewaffneten Schwarzen in Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma erschossen hat, Anklage erhoben worden. US-Staatsanwalt Steve Kunzweiler teilte mit, dass sich die Frau vor Gericht wegen Totschlags verantworten muss. Das US-Justizministerium leitete in dem Fall eigenständige Ermittlungen wegen einer möglichen Verletzung von Bürgerrechten ein.

Die Polizei in Tulsa veröffentlichte Videos des Polizeieinsatzes, bei dem der 40-jährige Terence C. erschossen wurde. Darin ist zu sehen, wie der Mann mit erhobenen Händen auf einer Straße langsam auf ein stehendes Auto zugeht. Von hinten nähern sich ihm vier Polizisten mit gezogenen Waffen, dann fällt der Mann zu Boden.