Als Reaktion auf andauernde Ausschreitungen nach einem tödlichen Polizeischuss auf einen Schwarzen in Charlotte ist der Ausnahmezustand über die Stadt verhängt worden. Der Gouverneur des Bundestaates North Carolina, Pat McCrory, teilte mit, er folge damit einer Bitte von Polizeichef Kerr Putney. Zudem mobilisierte er die Nationalgarde sowie dem Bundesstaat unterstellte Polizisten. Diese sollen die öffentliche Ordnung wiederherstellen und das Zentrum der Stadt schützen.

Schon in der zweiten Nacht in Folge sind in Charlotte friedliche Proteste in Gewalt umgeschlagen. Ein Demonstrant wurde angeschossen, sein Zustand ist kritisch. Zuerst hieß es, der Mann sei seinen Verletzungen erlegen. Später dementierte die Polizei ihre frühere Aussage und sagte, der Mann sei noch am Leben. Die Verwaltung der Stadt Charlotte teilte über Twitter mit, die Schüsse auf den Demonstranten seien von einem Zivilisten abgegeben worden. Auch verschiedene Medien berichteten, die Schüsse seien nicht von der Polizei gekommen.

Nach den Schüssen eskalierte die Situation: Demonstranten bewarfen Sicherheitskräfte mit Gegenständen, auch Journalisten wurden angegriffen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Schon in der Nacht zuvor war es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen, bei denen 16 Polizisten verletzt worden waren. 

Proteste gegen exzessive Polizeigewalt

Anlass der zunächst friedlichen Proteste in Charlotte waren tödliche Schüsse eines schwarzen Polizisten auf den ebenfalls schwarzen Keith S. am Dienstag. Nach Angaben der Polizei wurde der Getötete von Beamten mehrmals aufgefordert, seine Schusswaffe fallen zu lassen, bevor er erschossen wurde. Nachbarn und Verwandte des Mannes erklärten hingegen, er habe lediglich ein Buch in der Hand gehalten.

Der Unmut entzündete sich nicht zuletzt daran, dass die Polizei die Herausgabe der Aufnahmen von Körperkameras der beteiligten Beamten mit Verweis auf laufende Ermittlungen noch verweigert.  

Unmittelbar nach dem Tod von Keith S. hatten Dutzende Demonstranten Steine auf Beamte und Reporter geschleudert, Streifenwagen angegriffen, einen Autobahnabschnitt blockiert, geplündert und einen Lastwagen angezündet. Die Polizei setzte Tränengas ein, eine Person wurde festgenommen.

North Carolina - Heftige Krawalle in Charlotte Nach den tödlichen Schüssen auf einen Afroamerikaner kam es in der US-Stadt Charlotte erneut zu Unruhen. Der Gouverneur des Staates verhängte den Ausnahmezustand. © Foto: Jason Miczek/Reuters

John Barnett, Leiter der Bürgerrechtsgruppe THUG, erklärte, dass die Veröffentlichung der Videoaufnahmen vom Polizeieinsatz gegen S. der einzige Weg für die Polizei sei, wieder das Vertrauen der Bürger zu erlangen. Polizeichef Putney betonte indes, dass die bisherige Sachlage anders sei, als sie vor allem in den sozialen Medien dargestellt wurde.

In verschiedenen Teilen der USA hatte es in den vergangenen Monaten und Jahren Proteste gegen exzessive Polizeigewalt gegenüber schwarzen Personen gegeben. Erst am Montag war ein Video veröffentlicht worden, das zeigt, wie eine Polizistin in Tulsa einen unbewaffneten Afroamerikaner erschießt.