Rechtsextreme und Rassisten in Deutschland werden immer gewalttätiger. Die Polizei habe von Januar bis Mitte September dieses Jahres bereits 507 Fälle fremdenfeindlicher Gewalt registriert, berichtet der Spiegel. Damit habe sich die Zahl gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt.

Insgesamt seien in den ersten achteinhalb Monaten des Jahres mehr als 1.800 politisch motivierte Straftaten gegen Asylbewerber und Flüchtlinge registriert worden, heißt es in einer Antwort des Bundesinnenministeriums an die Grünenfraktion im Bundestag, auf die sich das Magazin beruft. Demnach legten Rechtsextremisten in diesem Jahr schon 78 Mal Feuer, die Polizei zählte sieben Tötungsdelikte.

Die Meldung bestätigt eine besorgniserregende Tendenz: Schon im Mai hatte das Bundeskriminalamt berichtet, dass die Zahl rechter Gewalttaten um mehr als 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sei. Die Zahl der politisch motivierten Straftaten insgesamt habe laut Polizeistatistik um 19,2 Prozent zugenommen, die politisch motivierten Gewalttaten um 30,7 Prozent.

Schon 2015 hatten sich Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte gehäuft. Das Bundeskriminalamt zählte 1.029 Straftaten gegen solche Einrichtungen, von Hakenkreuz-Schmierereien bis zu Sprengstoffanschlägen. 2014 waren es noch 199 Taten gewesen.

ZEIT ONLINE hat alle 279 gewaltsamen Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte untersucht, die 2015 verübt worden waren. In den Fällen, in denen die Polizei einen Verdächtigen ermitteln konnte, zeigte sich: Die Gewalt ging oft von Menschen aus, die schon vorher extrem rechte Ideen vertraten.

dpa
Wer zündet Flüchtlingsheime an?

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279 Angriffe mit Brandsätzen, Sprengstoff oder Steinen gab es 2015. Wir haben den Hintergrund der Tatverdächtigen überprüft.

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dpa
Die These von den unbescholtenen Bürgern

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Die Bundesregierung warnt: Die Tatverdächtigen seien immer seltener Neonazis, immer häufiger Menschen aus der Mitte, die nie auffielen.

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dpa
Aber stimmt das?

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Wir haben uns drei Fälle aus dem vergangenen Jahr genauer angesehen.

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Antifa Hamburg
Fall 1: Freital

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Falsch. Timo S. gilt bei der Staatsanwaltschaft als "unbeschriebenes Blatt".

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Falsch. Das sind laut Ermittlern "junge Leute, die in alkoholisierter Stimmung auf eine folgenschwere Idee gekommen sind".

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Falsch. Die Staatsanwaltschaft "will das nicht beurteilen".

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Diese Beobachtung teilt auch das Bundesinnenministerium. Vor dem Hintergrund der Flüchtlingsdebatte habe im rechtsextremen Spektrum "die Widerstandsrhetorik zugenommen". Das gelte besonders für die Identitäre Bewegung Deutschland, die zuletzt mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam machte. Sie wird seit Kurzem vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet. Ehemalige Mitglieder der NPD oder neonazistische Kameradschaften hätten sich den Identitären angeschlossen, heißt es.

Trotz der massiven Zunahme rechter Gewalt stufen die Behörden nur 20 Rechtsextremisten als "Gefährder" ein, schreibt der Spiegel. Das sei "schlicht nicht verständlich", sagt die Grünen-Innenexpertin Irene Mihalic: "Da klafft im rechten Bereich ein gewaltiges Loch zwischen der Anschlagswirklichkeit und der Zahl derer, die man real im Fokus hat."