Der bundesweit bekannte Salafistenprediger Sven Lau will in dem Prozess gegen ihn vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf zunächst schweigen. Sein Anwalt kündigte zum Prozessauftakt an, dass Lau sich vorerst nicht zu dem Vorwurf der Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung äußern werde. Daraufhin unterbrach das Gericht das Verfahren bereits nach Verlesung der Anklage eine halbe Stunde nach Prozessbeginn bis zur kommenden Woche.

Gegen den 35-Jährigen wird unter strengen Sicherheitsvorkehrungen im Hochsicherheitstrakt des Gerichts am Düsseldorfer Stadtrand verhandelt. Zum Prozessauftakt saßen auch mehrere Unterstützer des Angeklagten im Gerichtssaal. Lau ist seit Jahren eine schillernde Figur der radikalislamischen Salafisten. Für Schlagzeilen sorgte er etwa 2014, als er in Wuppertal für eine selbst ernannte "Scharia-Polizei" warb.

Die Vorwürfe der Bundesanwaltschaft gegen Lau wiegen schwer. Die Anklagebehörde legt ihm zur Last, in vier Fällen eine terroristische Vereinigung im Ausland unterstützt zu haben. Er soll im Jahr 2013 von Deutschland aus als "verlängerter Arm" der in Syrien aktiven islamistischen Gruppierung Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar (Jamwa) agiert haben. Der von Lau unterstützte Flügel der Gruppe soll sich laut Bundesanwaltschaft der Terrormiliz "Islamischer Staat" angeschlossen haben.

Der Angeklagte sei in Deutschland "eine Anlaufstelle für Kampf- und Ausreisewillige" vor allem aus der salafistischen Szene im Großraum Düsseldorf gewesen. Er habe als Bindeglied zur Jamwa fungiert, sagte Staatsanwalt Malte Merz. Der Staatsanwalt bezeichnete Lau zudem als eine "der bestimmenden und richtungsweisenden Figuren der salafistischen Szene".

Der deutsche Konvertit soll laut Anklage unter anderem im Spätsommer 2013 zwei Dschihadisten an eine in Syrien stationierte Kampfeinheit der Jamwa vermittelt haben. Ende September 2013 soll Lau selbst nach Syrien gereist sein.

Zurück in Deutschland kaufte er daraufhin nach Erkenntnissen der Ermittler über eine Kontaktperson drei Nachtsichtgeräte im Gesamtwert von etwa 1.400 Euro. Diese Geräte soll er Ende Oktober 2013 entweder selbst oder über eine islamistische Hilfsorganisation in das Basislager der Jamwa nach Syrien gebracht haben.

Verteidiger spricht von "juristischem Blindflug"

Laut Verteidiger Mutlu Günal wies er die Vorwürfe am Rande des Verfahrens zurück. "Die Anklage ist ein juristischer Blindflug", sagte der Anwalt am Ende des ersten Verfahrenstags. Dieser Flug werde sehr bald enden, wenn die beiden Kronzeugen der Bundesanwaltschaft aufträten. Lau solle seiner Einschätzung nach "mundtot" gemacht werden.

Der Prozess wird nun am kommenden Dienstag fortgesetzt. Das Gericht hat bereits Termine bis Mitte Januar festgelegt. Lau sitzt seit Mitte Dezember in Untersuchungshaft. Falls er schuldig gesprochen wird, droht ihm eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren.