Unicef-Bericht - 28 Millionen Kinder auf der Flucht Weltweit wachsen einem UN-Bericht zufolge fast 50 Millionen Kinder in der Fremde auf. Mehr als die Hälfte von ihnen ist auf der Flucht vor Krieg und Gewalt. © Foto: Unicef

Fast 50 Millionen Kinder weltweit wachsen heute in der Fremde auf – mehr als die Hälfte von ihnen (28 Millionen Mädchen und Jungen) sind auf der Flucht vor Krieg und Gewalt. Das ist das Ergebnis des ersten globalen Berichts zu Flucht und Migration von Kindern, den das UN-Kinderhilfswerk Unicef veröffentlicht hat. In die Schätzungen mit eingerechnet sind 17 Millionen Kinder und Jugendliche, die innerhalb ihres eigenen Landes vertrieben wurden.

Im Vergleich mit den weltweiten Flüchtlingszahlen der Vereinten Nationen wird deutlich, dass jeder zweite Flüchtling oder Vertriebene auf der Welt minderjährig ist. Der Anteil von Kindern und Jugendlichen ist damit überproportional hoch. Das Kinderhilfswerk schreibt: "Je nach Situation gelten diese Mädchen und Jungen als Migranten, Flüchtlinge, Asylsuchende oder Binnenvertriebene – aber sie sind vor allem eins: Kinder."

In dem Bericht "Entwurzelt" hat Unicef alle aktuell verfügbaren Daten über geflüchtete oder migrierte Kinder zusammengetragen, bevor am 19. und 20. September in New York ein Sondergipfel zu weltweiten Flucht- und Migrationsbewegungen stattfindet. Die UN-Organisation fordert die Regierungen vor dem Treffen auf, die betroffenen Kinder, insbesondere solche ohne Begleitung, besser vor Gewalt und Ausbeutung zu schützen und entschieden gegen Menschenhandel vorzugehen.

Außerdem müsse die Inhaftierung von Kindern beendet werden. Kinder müssten davor bewahrt werden, bei Grenzkontrollen oder während des Verfahrens zur Bestimmung ihres Aufenthaltsstatus von ihren Eltern getrennt zu werden. Zur Zusammenführung der Kinder mit ihren Familien müssten "alle möglichen Maßnahmen ergriffen" werden, heißt es in dem Bericht.

Unicef appelliert an die Regierungen und die Zivilgesellschaft, Kindern ihr Recht auf Bildung und umfassende Gesundheitsversorgung, Lebensmittel und Wasser sowie psychosoziale und rechtliche Betreuung zu gewähren. Außerdem müssten die Ursachen für Konflikte und extreme Armut bekämpft werden. Notwendig seien ferner Maßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Ausgrenzung.

Unter Verweis auf Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) heißt es in dem Report, zwischen 2014 und Juli 2016 seien 15.000 Flüchtlinge und Migranten gestorben oder als vermisst registriert worden. Rund zwei Drittel aller registrierten Todesfälle von Migranten ereigneten sich demnach im Mittelmeer. Schätzungen zufolge seien ein Drittel der in der Ägäis umgekommenen Menschen Kinder, heißt es in dem Bericht.

Kein Land nimmt mehr Kinder auf als die Türkei

In der ersten Jahreshälfte 2016 kamen in Europa fast 70 Prozent der Kinder, die einen Asylantrag stellten, aus dem Bürgerkriegsland Syrien, dem Irak und Afghanistan. Die mit Abstand meisten geflüchteten Kinder und ihre Familien suchen in ihrer jeweiligen Heimatregion Schutz, wie der Unicef-Bericht hervorhebt. 

Die zehn Länder, die die meisten Flüchtlinge aufnahmen, liegen in Asien und Afrika. Die Türkei ist laut Unicef wahrscheinlich das Land mit der weltweit größten Population von Flüchtlingskindern.