Die Amerikaner haben immer mehr private Schusswaffen. Das geht aus einer bisher unveröffentlichten Umfrage aus dem Jahre 2015 zum amerikanischen Waffenbesitz hervor. Sie liegt dem Guardian und The Trace exklusiv vor. Demnach sind in den USA derzeit rund 264 Millionen Pistolen und Gewehre in Umlauf. Das seien etwa 70 Millionen mehr als 1994. Insgesamt besitzen 55 Millionen Amerikaner eine Schusswaffe.

Der Waffenbesitz ist allerdings höchst ungleich verteilt. Laut der Studie, die von den Universitäten Harvard und Northeastern durchgeführt wurde, besitzen nur drei Prozent aller erwachsenen Amerikaner fast die Hälfte, nämlich 133 Millionen, aller Schießwaffen. Der Guardian nennt diese Gruppe "hardcore super owners": Sie besitzen zwischen 8 und 140, im Durchschnitt pro Person 17 Waffen.

Zudem ist der Anteil der Frauen unter den Waffenbesitzern angestiegen. Ihnen geht es laut der Umfrage vorwiegend um Selbstverteidigung. Viele von ihnen haben Handfeuerwaffen. Der Guardian verweist darauf, dass Selbstverteidigung in den USA derzeit ein wichtiges Thema im öffentlichen Diskurs sei – obwohl die Sicherheit in den USA eigentlich zunähme. Das bestätigt auch Matthew Miller, der an der Harvard School of Public Health forscht und einer der Autoren der Studie ist. Der Wunsch nach einer Waffe zur Selbstverteidigung könne nicht als Reaktion auf die reale gesellschaftliche Entwicklung gesehen werden, sagte er dem Guardian.

Auch für Hauptautorin Deborah Azrael legen die Ergebnisse der Studie nahe, dass der wichtigste Grund für den ansteigenden Waffenbesitz "zunehmende Ängstlichkeit" ist. "Wenn wir Suizide und andere potenzielle Bedrohungen durch Schusswaffen reduzieren wollen, müssen wir uns diesen Ängsten stellen", sagte sie. Jedes Jahr sterben in den USA rund 30.000 Menschen aufgrund einer Schussverletzung, etwa 20.000 davon sind Suizide. 

Mit dem höheren Waffenbesitz in den USA ist laut der Studie auch die damit verbundene Kriminalität angestiegen. Im Durchschnitt werden 400.000 Schusswaffen pro Jahr geklaut. Nach Angaben des Guardian haben die Waffenkäufe während der Präsidentschaft von Barack Obama Höchstwerte erreicht. Ende Juni waren im US-Senat striktere Waffengesetze gescheitert.