In Ludwigshafen wird nach der Explosion bei dem Chemieunternehmen BASF immer noch ein Mensch vermisst. Der Brand sei am Montagabend gegen 21.30 Uhr gelöscht worden, ein Mensch sei aber weiter unauffindbar, teilten die Verantwortlichen von Polizei, Feuerwehr und BASF am Dienstagnachmittag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit. Bei der Explosion an einer Leitungstrasse am Hafen waren zwei Menschen getötet und acht schwer verletzt worden. Weitere 17 Menschen seien leicht verletzt.

Die Werksfeuerwehr der BASF und die Berufsfeuerwehr Ludwigshafen sind auch am Nachmittag immer noch im Einsatz. Nach Angaben der Berufsfeuerwehr geht man davon aus, dass sich der Vermisste im Hafenbecken befindet. Es sei jedoch im Moment nicht möglich, Taucher ins Wasser zu schicken. Der Unfallort sei schwer erreichbar, auch herrsche dort weiterhin eine große Hitze. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz zeigte sich zuversichtlich, dass die Rettungskräfte in den kommenden Stunden bis zum Unfallort vordringen können. Bislang hätten sie aus Sicherheitsgründen noch einen Abstand von 300 Metern zum Explosionszentrum gewahrt.

Bei den beiden Toten handelte es sich nach Angaben von BASF um Mitglieder der Werksfeuerwehr. BASF-Werksleiter Uwe Liebelt drückte den Angehörigen sein Beileid aus. "Wir bedauern zutiefst, dass Mitarbeiter verstorben sind und mehrere Menschen verletzt wurden. Unser Mitgefühl gilt den Betroffenen und ihren Familien", sagte er.

Dieter Feid von der Feuerwehr Ludwigshafen sagte, unter den Schwerverletzten seien auch sechs Menschen, die schwerste Brandverletzungen hätten und sich zum Teil auf der Intensivstation befänden. "Es steht nicht sehr gut um sie", sagte Feid. Auch sei die Bevölkerung im Norden der Stadt weiterhin dazu aufgerufen, Türen und Fenster geschlossen zu halten und sich nicht zu lange im Freien aufzuhalten. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Mittlerweile identifizierte das Unternehmen die Stoffe, die auf dem Weg vom Hafen zum Tanklager Feuer gefangen hatten. "Es brannten unter anderem Rohrleitungen mit den Produkten Ethylen und Propylen", hieß es. Beide Stoffe sind Grundlagen der Chemieindustrie, die daraus etwa Dämmstoffe, Lösemittel oder Kleber fertigt.

Die Ursache für den ersten Brand ist aber immer noch unklar. Am Montagvormittag hatte es zunächst an einer Rohrleitung des Nordhafens gebrannt. In der Folge fingen weitere Leitungen Feuer.

Staatsanwaltschaft Frankenthal ermittelt

Unter dem Unglück leidet die Produktion des Chemiekonzerns. Da die Rohstoffversorgung unterbrochen ist, wurden 20 Anlagen im Hauptwerk der BASF abgeschaltet beziehungsweise laufen nur noch auf Teillast. Darunter sind auch die wichtigsten Anlagen des Standorts, die Steamcracker, in denen petrochemische Stoffe in ihre Bestandteile zerlegt werden.

Wie lange die für BASF wichtige Produktion unterbrochen bleibt, sei momentan noch nicht absehbar, sagte eine Sprecherin. "Das hat im Moment auch keine Priorität. Die Einsatzkräfte sind noch vor Ort." Ludwigshafen sei nach wie vor der größte BASF-Standort und die Grundlage des Verbundsystems des Unternehmens. "Insofern ist der Ausfall schon elementar", sagte die Sprecherin.

Eine Verseuchung der Umwelt blieb nach Firmenangaben bisher aus. Messungen in der Luft und am Boden hätten keine erhöhten Werte giftiger Stoffe gezeigt.

Die Staatsanwaltschaft Frankenthal hat Ermittlungen eingeleitet. Ein Gutachter wurde zur Klärung der Ursache eingeschaltet, wie die Behörde mitteilte.